Was am Ende dieses Arbeitssieges zählt, sind die eingefahrenen zwei Auswärtspunkte in der Opel Handball-Bundesliga. Nachdem der letzte Auftritt bei der IHF Club-WM gerade einmal 50 Stunden her war, ging der Handballalltag für die Füchse Berlin bei der SG BBM Bietigheim nonstop weiter. Als die Schlusssirene in der EgeTrans Arena ertönte, war den Profis die Erleichterung sowie Erschöpfung über das 32:31 (20:17) ins Gesicht geschrieben. Den Großteil des Aufeinandertreffens lagen die Gäste in Führung, aber dennoch deutete sich für die Männer um Trainer Nicolej Krickau kurz vor dem Schluss noch ein Krimi an. Eine spannende Crunchtime ließ alle Füchse-Anhänger noch einmal zittern, jedoch behielt der amtierende Deutsche Pokalsieger am Ende die Nerven.
Währenddessen durften sich alle Fans zusätzlich über das Comeback von Nils Lichtlein freuen. Genau 100 Tage nach seinem operativen Eingriff präsentierte sich der Spielmacher zurück auf der Platte und feierte prompt nach wenigen Einsatzsekunden seinen ersten Saisontreffer. Persönliche Erfolge feierten an diesem Samstagabend auch Tim Freihöfer sowie Lasse Ludwig. Während der Linksaußen seinen 500. HBL-Treffer im Trikot der Füchse verbuchte, glänzte die Nummer eins des Hauptstadt-Clubs mit seiner 400. Parade in der „stärksten Liga der Welt“. Abgerundet wurden diese grandiosen Leistungen von Matthes Langhoff. Der Nationalspieler aus dem linken Rückraum zeichnete sich mit sieben Treffern als bester Berliner Werfer aus.
Der Spielfilm in Worten
Matthes Langhoff eröffnete nach eineinhalb Minuten die nennenswerten Offensivaktionen für die Füchse Berlin und erkämpfte sich den ersten Strafwurf. Tim Freihöfer zeigte keine Nerven und brachte sein Team von der Siebenmeterlinie aus auf die Anzeigetafel. Nach dem Ballgewinn in der Deckung und einem Expresspass von Lasse Ludwig sorgte Tobias Grøndahl für die erste Führung zum 2:1. Auch Mathias Gidsel meldete sich nach seinem Pferdekuss zurück und trug sich wie gewohnt früh in die Torschützenliste ein. Kurz darauf war es erneut der Däne, der sein feines Handgelenk unter Beweis stellte und das 4:3 für sich markierte (7.). Der Innenblock zwischen Kapitän Max Darj sowie Frederik Simak hatte gut gearbeitet, sodass Grøndahl wieder per Tempogegenstoß treffen konnte. Auch Nationalspieler Langhoff konnte wenig später Torhüter Martin Tomovski das erste Mal überwinden und erzielte das Tor zum 7:6 (12.).
Ein schnell ausgeführter Anwurf Darj, Gidsel, der beim Durchbruch regelwidrig gestoppt wurde und Grøndahl von der Strafwurflinie – so die Reihenfolge in der 18. Spielminute zum 11:9. Kompromisslos durchgesetzt hat sich einen Angriff später Mijajlo Marsenić an der Sechs-Meter-Linie. In der 19. Minute kam der langersehnte Moment: Nils Lichtlein war zurück auf der Platte. Der Spielmacher brauchte keine Eingewöhnungszeit und ließ bereits nach 13 Sekunden den Ball im Netz zappeln. Kurz vor dem drohenden Zeitspiel schnappte sich Gidsel die Kugel und brachte die Berliner erneut mit zwei Toren in Front (25.). Der dreifache Welthandballer erkämpfte sich in der darauffolgenden Abwehrphase das Spielgerät, über Langhoff gelang der Ball zu Marsenić, der eiskalt blieb. Ein doppelter Torerfolg von Freihöfer sorgte für den 20:17-Halbzeitstand.
Aus der Sicht der Berliner setzte Langhoff den Startschuss in die zweite Hälfte. Nach guter Sperre von Darj und einer schönen Vorarbeit von Gidsel war die Aufgabe nicht mehr allzu groß. Einen guten Start nach der Pause erwischte auch Ludwig – der Schlussmann konnte direkt mit einigen Paraden glänzen. Dass er nicht nur in der Deckung über hervorragende Qualitäten verfügt, zeigte der schwedische Füchse-Kapitän Darj in der 37. Spielminute und warf seine Mannschaft erfolgreich zum 23:19. Stück für Stück vergrößerten die Bundeshauptstädter ihren Vorsprung – Langhoff sorgte für die erste Fünf-Tore-Führung. Eine der Paradisziplinen im Team von Coach Nicolej Krickau ist das Tempospiel, welches durch Hákun West av Teigum par excellence durch das 26:22 zum Vorschein kam (43.). Dass es auch mit Wurfgewalt aus dem Positionsspiel heraus funktionieren kann, stellte Langhoff im darauffolgenden Angriff unter Beweis.
Ein Beleg dafür, welch wichtige Rolle die früheren Nachwuchsathleten des Hauptstadt-Clubs einnehmen, wurde eine Viertelstunde vor dem Spielende deutlich: Lichtlein hat das perfekte Auge für Freihöfer, dieser erzielte seinen 500. Treffer in der Opel Handball-Bundesliga. Danach glänzte Ludwig im Gehäuse mit seiner nächsten Parade, nachdem dieser bereits in Durchgang Nummer eins seine 400. Parade in der „stärksten Liga der Welt“ feiern durfte. Wenig später lösten Gidsel und Langhoff im Duett die Kontersituation – letztgenannter veredelte erfolgreich zum 31:26 (51.). In der Crunchtime war den Männern in Grün die Belastung der vergangenen Tage anzumerken, dennoch behielt Grøndahl von der Strafwurflinie seine skandinavische Gelassenheit und versenkte die Kugel zum 32:29 (56.). Eine vermutlich spielentscheidende Situation gab es eineinhalb Minuten vor dem Schluss, als der Wurf der SG BBM Bietigheim auf das verwaiste Tor der Füchse nur vom Aluminium abprallte und sich Freihöfer mit seiner Rückzugsarbeit den Ball sicherte, sodass ein Gegentreffer verhinderte wurde, wodurch die Hausherren auf einen Treffer verkürzt hätten. Bis zum Ertönen der Schlusssirene lag die Spannung in der Luft, doch am Ende standen die Füchse Berlin durch den 32:31-Erfolg als Sieger da.
Die nächste Woche im Überblick
Alle Fans können sich freuen, denn in der nächsten Woche hat das Warten auf einen Auftritt im Fuchsbau endlich ein Ende – sogar in doppelter Hinsicht. Erst steht am Donnerstag, 8. Oktober, die Begegnung in der EHF Champions League gegen den FC Porto auf dem Programm.
Tickets für die Partie um 18.45 Uhr sind hier erhältlich. Am Sonntag, 11. Oktober, kehrt dann auch die „stärkste Liga der Welt“ zurück in die Max-Schmeling-Halle. Um 18 Uhr ist der TBV Lemgo Lippe zu Gast in Deutschlands Hauptstadt.
Hier können sich die Plätze gesichert werden. Auf alle Anhänger wartet also ein volles Programm!
Stimmen und Statistik
Geschäftsführer Bob Hanning: „Wir haben uns bewusst dazu entscheiden, dieses heutige Spiel aufgrund unserer Dichte an Spielen in der Opel Handball-Bundesliga, der EHF Champions League und dem DHB-Pokal nicht zu verlegen. Die Mannschaft hat die Herausforderung angenommen, obwohl die Hälfte der Spieler mit großen Magenproblemen zu kämpfen hatte. Wir haben in die Partie alles reingelegt und ich bin dem Team sehr dankbar, dass sie alles daran gesetzt haben, die Begegnung positiv zu gestalten. Jetzt geht es darum, wieder die Kräfte zu sammeln und in die nächsten Wochen zu starten.“
Trainer Nicolej Krickau: „Wir sehen das heute als einen Abschluss für eine lange Woche. Wir wussten bereits vor der Partie, wie anstrengend das heute für uns wird, nachdem es für uns nonstop aus Ägypten weiter ging. Deswegen sind wir sehr froh darüber, dass wir diese zwei Punkte nun mit im Gepäck haben. Das war jedoch weit weg von unserem Top-Niveau. Wir werden das analysieren und müssen nun auch körperlich wieder in die Spur finden. Deswegen freuen wir uns jetzt umso mehr auf zwei Heimspiele im Fuchsbau und wir hoffen, dass wir viele Fans in der Max-Schmeling-Halle begrüßen dürfen.“
Nils Lichtlein: „Es hat sich großartig angefühlt, wieder auf der Platte zu stehen, so wie es in jeder Halle in der Opel Handball-Bundesliga der Fall ist. Das war heute wirklich etwas Besonderes, umso mehr schätze ich es wert, sowas erleben zu dürfen. Am Ende wird es heute unnötig eng für uns. Wir lassen zu viele freie Chancen ungenutzt. Das macht es dann schlussendlich nochmal spannend.“
Füchse Berlin: Ludwig (11 Paraden), Höler; Darj (1), Prantner, Simak (1), Ariño, Grøndahl (6/3), Gidsel (6), Freihöfer (6/1), Pichiri, Langhoff (7), Zaepfel, av Teigum (2), Marsenić (2).
SG BBM Bietigheim: Tomovski (14 Parden), Hrdlička; Vlahović (1), Wucherpfennig (2), Claus (5), Josef (2), Nicolaus (1), Wiederstein, Norrbrink (4), Orlov, Strosack, Pfeifer (9/9), M’Bengue, Fischer (1), Hermann (5), Larson (1).