8017 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle, darunter auch die gesamte Jugend des Hauptvereins, wurden Zeugen eines denkwürdigen Abends. Mathias Gidsel hat mit 17 Toren einen 17 Jahre alten Torrekord in der EHF Champions League eingestellt: Der bisherige, alleinige Rekordhalter ist Jesús „Chuchi“ Martínez de la Cal. Der Spanier erzielte am 11. November 2009 für Pevafersa Valladolid beim 37:27-Auswärtssieg gegen PAOK Thessaloniki 17 Tore, genau wie Gidsel am heutigen Donnerstagabend im Fuchsbau. Beim 40:32 (20:17) gegen den FC Porto am 3. Spieltag der Gruppenphase marschierte der dänische Welthandballer voran, während es insgesamt viele Tore und hohes Tempo waren. Gewohnt selbstlos sagte er nach der Partie: „Die Fans sind für mich die Spieler des Spiels.“
Gidsels kongenialer Partner im Rückraum, Nils Lichtlein, feierte nach überstandener Fußverletzung zudem seine Rückkehr auf die heimische Platte und setzte direkt zum Treffer an. Im Tor der Füchse Berlin war Lasse Ludwig einmal mehr ein Fels in der Brandung. Der deutsche Torhüter war nicht nur insgesamt 14-mal zur Stelle, seine Paraden kamen vor allem im richtigen Moment. Denn lange war die Partie gegen die Portugiesen ausgeglichen, erst kurz vor dem Seitenwechsel wurde es ein wenig deutlicher. In der Schlussviertelstunde konnten die Berliner dann noch einmal einen Gang hochschalten, während bei Porto die Kräfte schwanden. So haben die Füchse nach der Hinrunde vier Pluspunkte auf dem Konto und stehen auf Platz zwei.
So liefen die ersten 60 von 120 Minuten dieser Woche
Bei der Rückkehr Andreas Palickas nach seiner Handverletzung glänzte zu Beginn direkt sein Kollege im Tor der Füchse: Lasse Ludwig parierte den ersten Abschluss des FC Porto. Kurz darauf sah er, wie Mijajlo Marsenić die Gastgeber zweimal in Führung brachte. Der Kreisläufer erzielte die ersten beiden Treffer, während auch die Portugiesen dazwischen einmal einnetzten. Eine weitere Parade Ludwigs sowie Tore von Mathias Gidsel, Matthes Langhoff und Aitor Ariño brachten die Füchse auf Plus zwei. Porto konnte jedoch schnell wieder ausgleichen und es blieb eine spannende Anfangsphase auf Augenhöhe, in der auch Nils Lichtlein auf die Platte kam. Der ehemalige Jungfuchs lief erstmals nach seiner Fuß-Operation im Sommer im Fuchsbau auf – und vollendete nach wenigen Sekunden zum 7:6 (11.). Bereits in Bietigheim machte es Lichtlein auf diese schnelle Art und Weise.
In der 18. Minute ließ der Welthandballer Gidsel seinen Gegenspieler mit einem flinken Wackler stehen und vollendete zum 13:11. Es war der fünfte Treffer im fünften Versuch des Dänen. Nachdem Tobias Grøndahl noch mit seinem Siebenmeter scheiterte, war hinten Ludwig wieder zur Stelle. Kapitän Max Darj brachte im nächsten Angriff die Führung zurück. Doch die Gäste aus Portugal blieben dran und machten es den Berlinern schwer. Die Füchse wehrten sich allerdings, unter anderem Aymeric Zaepfel und Ariño stellten den Abstand von zwei Toren wieder her, defensiv sorgte Langhoff mit einem Block für Applaus (26.). Nachdem sich Aitor Ariño für seinen Steal belohnte (29.) und auch Darj erneut einnetzte, war es kurzzeitig ein Plus vier. Mit einem tollen Ende der ersten Halbzeit ging es mit 20:17 in die Kabine der Max-Schmeling-Halle.
Weil Ludwig nach dem Seitenwechsel einen Kempa-Versuch Portos entschärfte und Ariño sich direkt weiter in Torlaune präsentierte, der Spanier traf in der 36. und 38. Minute, blieben die Hauptstädter in Front. Ein skandinavischer Doppelschlag Darjs und Gidsels bescherte das 25:21 (40.). Mit voller Wucht war es Letzterer, der kurz darauf auch den gegnerischen Keeper Diogo Leitäo Rêma Marques nur dazu brachte, den Ball an den Innenpfosten zu lenken. Grøndahl war diesmal vom Strich aus erfolgreich (45.) und Gidsel packte einen weiteren sehenswerten Dreher aus, sodass die die Berliner auf fünf Treffer davonziehen konnten – 30:25 nach 47 Zeigerumdrehungen.
Zwar scheiterten einige Angriffe zu Beginn der Crunchtime, doch Ludwig erwies sich abermals als die sichere Bank zwischen den Pfosten der Füchse. Im Angriff sorgte Gidsel weiter für Furore und war nach dem Ballgewinn in der eigenen Hälfte blitzschnell vor dem gegnerischen Kasten und vollendete eiskalt (53.). Dem war ein Steal des Kapitäns Darj vorausgegangen, der schwedische Kreisläufer verwandelte eine Minute später selbst, wie dann auch Lichtlein. Weil der FC Porto zum Ende hin unkonzentriert war und die Füchse dies mit einigen Balleroberungen bestraften, wurde es dann doch deutlich. Ein 40:32 zierte die Anzeigetafel.
In drei Tagen wieder in den Fuchsbau
Das nächste Heimspiel in der Max-Schmeling-Halle steht bereits an. An diesem Sonntag, 11. Oktober, gastiert der TBV Lemgo Lippe in der Hauptstadt. Die Begegnung des 8. Spieltags der Opel Handball-Bundesliga beginnt um 18 Uhr. Die Füchse Berlin freuen sich über jeden Fan im Rund,
Tickets sind hier erhältlich.
Stimmen und Statistiken
Füchse Berlin: Ludwig (14 Paraden), Palicka; Darj (3), Prantner (3), Simak, Ariño (5), Grøndahl (3/3), Lichtlein (3), Gidsel (17), Freihöfer, Pichiri, Langhoff (2), Zaepfel (1), avTeigum, Marsenić (3).
FC Porto: Abrahamsson (1 Parade), Marques (7); Gomes (5), Moreira de Oliveira (2), Silva(1), Amador Salina (4), Costa (4), Fernandes (2), Martinez (6/1), Soares Djanló, Ferreira (1), Reis Veiga de Magalhães (1), Azevedo de Oliveira, Pedro Oliveira, Brandão (5), Brito Duarte (1).
Trainer Nicolej Krickau: „Mathias Gidsel war heute unsere absolute Führungskraft. Es freut uns, dass in diesem heutigen Spiel alles bei ihm funktioniert hat. Trotzdem finde ich, dass wir vor allem in der Abwehr nicht auf dem Niveau aufgetreten sind, welches wir normalerweise an den Tag legen wollen. Wir haben zu sehr unsere Basics vernachlässigt. Aber Mathias hat uns heute immer wieder die nötige Sicherheit gegeben. Wir sind froh, dass wir den Fans einen erfolgreichen Abend bescheren konnten.“
Mathias Gidsel: „Ich finde, dass wir heute ein gutes Spiel gemacht haben. In der ersten Halbzeit haben wir jedoch unsere Aufgaben in der Abwehr nicht sauber gelöst. Wir waren teilweise zu weit weg von unseren Gegenspielern. In der Pause haben wir dann aber gute Lösungen gefunden. Was ich heute neben dem Sieg vor allem mitnehme, ist, dass die Atmosphäre an einem Donnerstagabend wirklich großartig war. Das bedeutet uns Spielernwirklich sehr viel. Das sehen wir als nicht selbstverständlich an. Ich bin sehr stolz auf unsere Anhänger und den Verein, dass heute so eine wahnsinnige Stimmung geherrscht hat. Die Fans waren heute der Spieler des Spiels.“