Zwischenzeitlich sind die Füchse Berlin mit neun Toren zurückgelegen, vor dem Seitenwechsel sollte nur wenig gelingen. Lange fiel das Torewerfen schwer, dann sah Matthes Langhoff nach etwa einer Viertelstunde auch noch die rote Karte, weil er Ali Zeinelabedin Ali bei einer Abwehraktion mit der Hand im Gesicht traf. Die Deutschen waren zum Gastspiel am 5. Spieltag der EHF Champions League beim One Veszprém HC bereits mit einer dünnen Personaldecke angereist: Fabian Wiede steht erst noch vor seinem Comeback nach dem Kreuzbandriss, Lauro Pichiri fehlte wegen Knieproblemen weiterhin und Nils Lichtlein stieg nach einem Griff in die Schulter aus Vorsichtsmaßnahmen nicht in das Flugzeug. So waren es nur 13 Mann im Aufgebot von Trainer Nicolej Krickau, der nach Langhoffs Platzverweis mit drei Rückraumspielern auskommen musste. Verschnaufpausen im Angriff waren also dahin.
Trotz der hohen Belastung und des klaren Rückstands bewies die Truppe aus der deutschen Hauptstadt große Moral und kämpfte sich in der zweiten Halbzeit Stück für Stück zurück. Purer Wille, das offensive Sieben-gegen-Sechs und Paraden von Andreas Palicka machten die Aufholjagd möglich. Bei der Chance, auf Minus zwei zu verkürzen, verlor Mathias Gidsel (bester Werfer mit neun Toren) nach einem fragwürdigen Einsteigen seines Gegenspielers den Ball und eine mögliche Belohnung war 15 Minuten vor dem Spielende verpufft. Das 35:39 (13:20) in der One Veszprem Arena bedeutet die zweite Niederlage gegen die Ungarn in der Gruppenphase der EHF Champions League. Weil beide Teams bereits vor der Begegnung für die Hauptrunde qualifiziert waren, ist nun klar, dass die Füchse mit null Punkten in jene einsteigen, Veszprém hingegen mit vier.
Das waren die 60 Minuten in Ungarn
Erst nach knapp fünf Minuten hatten die Füchse Berlin das erste Tor auf dem Konto. Nach einigen Fehlversuchen des deutschen Angriffs war es dennoch mit viel Selbstbewusstsein Tim Freihöfer mit einem frechen Heber beim Siebenmeter. Zu diesem Zeitpunkt hatte der One Veszprém HC bereits drei Tore erzielt. Diese Zahl war allerdings nur nicht höher, weil Andreas Palicka im Tor der Berliner mehrmals zur Stelle war. Nach etwa acht Zeigerumdrehungen hatte der schwedische Keeper bereits fünf Paraden aufgewiesen und zeigte sich in überragender Verfassung, seine Vordermänner allerdings ganz im Gegenteil. Viele Fehlwürfe aus schwierigen Positionen brachten Weltklasse-Torhüter Emil Nielsen zwischen Veszpréms Pfosten zu erfolgreichen Momenten – nach zehn Minuten hatten die Füchse erst zwei Tore verbucht, kurz darauf lief Mathias Gidsel einen schnellen Tempogegenstoß zum 3:6 (11.).
Weiterhin lief es nicht im Angriff, auch wenn Palicka hinten stark parierte und sein Landsmann Max Darj einnetzte (14.). Kurz vor der Viertelstunden-Marke dann ein großer Rückschlag: Matthes Langhoff sah nach einem Gesichtstreffer bei Angreifer Ali Zeinelabedin Ali die rote Karte. So waren es nur noch zwölf Mannen im Kader von Trainer Nicolej Krickau, mit Gidsel, Tobias Grøndahl und Aymeric Zaepfel eine einzige Rückraum-Reihe für die restliche Spielzeit. Hugo Descat traf daraufhin obendrein ins verwaiste Tor zum 10:5 für Veszprém (16.). Infolgedessen konnten sich die Ungarn weiter absetzen, die Füchse konnten nur hinterherlaufen. Mit einem 13:20-Rückstand ging es in die Kabine der One Veszprem Arena. Gidsel und Zaepfel waren zur Halbzeit mit je drei Treffern die besten Werfer der Gäste, doch die Defensive war mit 20 Gegentoren zu anfällig. Auf neun Tore waren die Ungarn zwischenzeitlich entwischt.
In Durchgang zwei starteten die Füchse mit dem Sieben-gegen-Sechs, was sie schon vor dem Seitenwechsel praktizierten. Der Angriff war lang und endete in einem Siebenmeter, welchen Freihöfer verwandelte. Weil Lasse Ludwig im Gehäuse der Berliner seine erste Parade verzeichnete, traf Grøndahl im Gegenzug. Die nächste Parade des Torhüters, der erneut für die deutsche Nationalmannschaft nominiert wurde, ermöglichte den Tempogegenstoß mit Endstation Leo Prantner. Der Italiener verkürzte auf 17:21 (34.). Aus der Drehung vollendete wenig später auch Gidsel zum Minus vier – mit einem Dreher machte es Mijajlo Marsenić ihm nach. Der serbische Kreisläufer war es auch, der den Abstand auf drei Tore verringerte (42.).
Eine knappe Viertelstunde vor dem Schluss hatten die Deutschen nach einer Palicka-Parade die Chance, auf Minus zwei zu stellen. Doch der Ball ging verloren und Veszprém traf in das leere Tor. Weil Gidsel beim fehlerhaften Pass stark gestört und gehalten wurde, monierte Coach Krickau – in den Augen der Schiedsrichter zu lautstark, weshalb es zwei Minuten Strafe gegen die Bank gab. Eine wahnsinnige Aufholjagd ging auf diese schmerzhafte Art und Weise zu Ende, doch spielte der Deutsche Pokalsieger couragiert weiter. So traf auch Aitor Ariño, der noch Minuten auf Linksaußen sammelte. Marsenić markierte immerhin seinen 200. Treffer in der EHF Champions League, an der 35:39-Niederlage in Ungarn änderte dies allerdings nichts mehr. Mit erhobenem Kopf durften die platten Berliner dennoch die Platte verlassen.
Heimspiel am Sonntag in der Opel HBL
Am morgigen Donnerstag reist der Tross der Füchse Berlin zurück in die deutsche Hauptstadt. Dort geht es an diesem Sonntag, 25. Oktober, in der Opel Handball-Bundesliga weiter. Zu Gast wird ab 16.30 Uhr die HSG Wetzlar sein,
Tickets sind hier erhältlich. Auch in der EHF Champions League steht als nächstes ein Heimspiel in der Max-Schmeling-Halle an. Am Donnerstag, 29. Oktober, gastiert der RK Partizan AdmiralBet zum Abschluss der Gruppenphase im Fuchsbau.
Den Sitzplatz gibt es hier zu sichern, Anwurf ist um 18.45 Uhr.
Stimmen und Statistiken
Trainer Nicolej Krickau: „Glückwunsch an Veszprém. Natürlich war klar, dass die Anfangsphase entscheidend war. Unsere Entscheidungen zu Beginn, insbesondere unsere Wurfauswahl gegen Emil Nielsen, waren nicht gut genug, und das hat den Rest des Spiels geprägt. Ich denke jedoch, dass wir in der zweiten Halbzeit deutlich besser gespielt haben, wobei Mathias uns geholfen hat, an unserem Spielplan festzuhalten und nach Lösungen zu suchen. Letztendlich hatten wir in der Anfangsphase keine Antwort auf Veszprém, und der Vorsprung, den sie sich erarbeitet hatten, reichte aus, um das Spiel bis zum Schlusspfiff zu entscheiden.“
Spieler Aymeric Zaepfel: „Es war ein hartes Spiel. Über die erste Halbzeit brauche ich nicht sprechen, aber in der zweiten haben wir sehr gut gespielt. Wir haben guten Handball gezeigt und weitergekämpft. Das Wichtigste war, dass die Mannschaft nie aufgegeben hat. Wir haben zwar nicht gewonnen, aber ich bin zufrieden damit, wie wir das Spiel angenommen haben, und daraus können wir Selbstvertrauen schöpfen. Letztendlich haben wir gezeigt, dass wir hierherkommen und guten Handball spielen können, und das ist das größte Positive.“
One Veszprém HC: Appelgren, Nielsen (14 Paraden); Gonçalves dos Santos (1), Martinovic (4), Descat (6/3), Hesham (5), Ligetvari, Remili (7), Lenne (3), Elderaa (3), Dodic (1), Pechmalbec (8), Gáncs-Peto, Meshily, Zeinelabedin Ali (1), Imre.
Füchse Berlin: Ludwig (3 Paraden), Palicka (8), Darj (2), Prantner (1), Simak (1), Ariño (2), Grøndahl (3), Gidsel (9), Freihöfer (5/5), Langhoff (1), Zaepfel (4), av Teigum (2), Marsenić (5).