Nach der Partie überreichte Bob Hanning, der Geschäftsführer der Füchse Berlin, ihm die Auszeichnung als Spieler des Spiels, welche die IHF ihm verlieh. Nach Frederik Höler am Freitag ist Lasse Ludwig der zweite Torhüter in den Reihen des Hauptstadt-Clubs, der den Pokal entgegennehmen darf. Der deutsche Nationalkeeper hielt sein Team mit 14 Paraden immer wieder im Spiel, sorgte dafür, dass seine Vordermänner zwischenzeitlich davonziehen konnten und wehrte darüber hinaus drei gegnerische Siebenmeter ab. Beim letzten Wurf von Nedim Remili in der Schlussminute bekam er die Hände zwar nicht mehr entscheidend an den Ball, an Ludwig lag es aber sicherlich nicht, dass die Füchse gegen One Veszprém HC verloren und damit vermutlich das Finalticket verspielt haben.
In der ägyptischen Covered Hall New Administrative Capital war es ein 33:34 (19:16), bei dem der Gruppengegner aus der EHF Champions League den besseren Start erwischte und die ersten drei Treffer markierte. Doch dann drehten die Berliner ordentlich auf, konnten während der ersten Halbzeit zwischenzeitlich auf Plus fünf stellen. Bis zum Ende blieb es jedoch spannend, viele Male hielt der Deutsche Pokalsieger dagegen, doch schlussendlich setzte sich die Weltklasse aus Ungarn durch. Mathias Gidsel und Tobias Grøndahl teilten sich die Bezeichnung als Bester Werfer, beide waren neunmal erfolgreich. Zwei Partien stehen nun in Ägypten noch an: am Dienstag gegen Al-Ahly (19 Uhr) und dann am Donnerstag das Platzierungsspiel.
So lief die Partie im Detail
Direkt zu Beginn zeigte sich, dass One Veszprém HC ein anderes Kaliber war, als der Burgan SC am Freitag. Matthes Langhoff nahm sich für die Füchse Berlin den ersten Wurf, doch der Weltklasse-Torhüter Emil Nielsen parierte. Im Gegenzug traf Hugo Descat für die Ungarn zum 1:0. Nach der nächsten Nielsen-Tat gegen Mathias Gidsel konnte sich aber auch der Keeper der Deutschen, Lasse Ludwig, auszeichnen. Bei seinen Vordermännern funktionierte jedoch noch nicht viel in der Anfangsphase, gute sechs Minuten dauerte es, dass nicht mehr die Null auf Seiten der Berliner stand, Veszprém hatte da bereits dreimal getroffen, obwohl Ludwig mehrmals zur Stelle war. Langhoff legte immerhin direkt das 2:3 nach (7.). Mit Treffern von Hákun West av Teigum und Gidsel blieb der Deutsche Pokalsieger dran. Letzterer glich nach einem Steal Langhoffs auf das leere Tor werfend aus und konnte nach einer weiteren Abwehrtat in selber Manier das 7:6 erzielen (12.) – Spielstand gedreht.
Weitere Paraden Ludwigs ebneten den Weg für Aitor Ariño und Langhoff, die den Vorsprung ausbauten. Das 9:6 der Füchse bewegte Veszpréms spanischen Coach Xavier Pascual zur ersten Auszeit. Nach einer knappen Viertelstunde markierte Tobias Grøndahl per Siebenmeter den zehnten Treffer der Berliner und stellte in derselben Art und Weise kurz darauf auf Plus vier. Der nächste Treffer – zum 12:7 (18.) – ging ebenfalls auf das Konto des Norwegers, diesmal aus dem Spiel heraus. Ludwigs Siebenmeter-Parade mit dem linken Fuß setzte einen obendrauf. In der Phase vor der Halbzeit konnten die Ungarn den Lauf der Füchse noch einmal unterbrechen, dennoch ging es mit einer 19:16-Führung für die Deutschen in die Katakomben der Covered Hall New Administrative Capital in Ägypten.
Den besseren Start in Durchgang zwei erwischten derweil die Mannen aus Veszprém: Nicht nur, dass sie direkt einnetzten – bei den Berlinern mussten Langhoff und av Teigum mit Zeitstrafen früh von der Platte. Ludwig setzte mit seinen zwei nächsten Paraden gegen den Strich jedoch das richtige Zeichen. Nichtsdestotrotz kamen die Kontrahenten auf einen Treffer heran, unter anderem Mijajlo Marsenić mit einem schönen Gegendreher, Gidsel und Ariño stellten zwischenzeitlich wieder auf Plus zwei. Knapp 20 Minuten vor dem Ende war es aber soweit, Ivan Martinovic glich für den CL-Gruppengegner zum 24:24 aus. Grøndahl bewies daraufhin beim Siebenmeter allerdings Nervenstärke und brachte die Führung zurück in Berliner Hand. Weil Ludwig gleich zweimal wieder im Weg stand, erhöhten Darj und Gidsel auf 27:24 (43.).
Auch Tim Freihöfer kam in der Schlussphase auf die Platte und sorgte für Jubel auf der Füchse-Bank (50.). Sein Kumpel Ludwig parierte weiter und war zudem zum dritten Mal Spielverderber beim Siebenmeter, doch die Füchse schlugen keinen Profit daraus, scheiterten selbst im Abschluss an Nielsen. Freihöfer brach den Bann mit seinem Tor zum 31:29 (55.). Kurz vor dem Ende glich Veszprém erneut aus, doch wieder hatten die Berliner die Antwort parat – in diesem Fall av Teigum (59.). Allerdings gaben die Deutschen den Vorsprung wieder aus der Hand und weil erneut ein Angriff ohne Erfolg blieb, konnte Veszprém in der letzten Minute noch den Siegtreffer erzielen. Nach Nedim Remilis Tor konnten die Füchse in den verbleibenden Sekunden keinen Schlussakzent mehr setzen.
So geht es weiter
Weil Veszprém nun einen Sieg mehr auf dem Konto hat, werden die Ungarn sehr wahrscheinlich als Gruppenerster in das Finalspiel einziehen. Für die Füchse stehen aber noch zwei Partien in Ägypten an. Gegen den heimischen Club Al-Ahly geht es an diesem Dienstag, 29. September, ab 19 Uhr zum Abschluss der Gruppe B. Wiederum zwei Tage später, am Donnerstag, 1. Oktober, stehen dann die Platzierungsspiele auf dem Programm.
Stimmen und Statistiken
Trainer Nicolej Krickau: „Ich habe gemischte Gefühle. Auf der einen Seite war es eine Top-Top-Top-Leistung wie ich finde. Wir können sehr zufrieden sein, auf der anderen Seite stehen wir mit leeren Händen da. Das tut weh, fünf Prozent mehr als andere Niederlagen. Nicht wegen der Situation, sondern eher, weil unsere Leistung in ein paar Bereichen – mit Ball und Lasse Ludwigs Auftritt – mehr verdient hätte. Aber so ist Handball nicht, sondern cool Business. Da war Veszprém am Ende nur ein bisschen glücklicher als wir, und manchmal ist das entscheidend.“
Spieler des Spiels Lasse Ludwig: „Es ist unglaublich schade. Ich finde, wir waren über 60 Minuten gesehen die bessere Mannschaft. Wir haben eine extrem gute erste Halbzeit und extrem diszipliniert gespielt, einen super Fight mit toller Energie gezeigt. Aber am Ende war es ein Quäntchen Glück, das über das Spiel entschieden hat. Ich bin dennoch stolz auf meine Mannschaft und wir werden die Fehler aufarbeiten, die wir gemacht haben und werden weiterarbeiten.“
Füchse Berlin: Ludwig (14 Paraden), Höler; Darj (1), Prantner, Simak, Ariño (2), Grøndahl (9/4), Gidsel (9), Freihöfer (2), Pichiri, Langhoff (3), Zaepfel (1), Kusche, av Teigum (4), Marsenić (2).
One Veszprém HC: Appelgren (5 Paraden), Nielsen (10); Goncalves dos Santos, Martinovic (5), Descat (4/2), Hesham (8/2), Ligetvari, Cindric (2), Remili (4), Lenne (2), Eldeera (2), Pechmalbec (2), Gancs-Peto, Mesilhy (3), Ali Zein (2), Imre.