Mehrere Spieler hatten an diesem Donnerstagabend Laune, sich den Fans im Fuchsbau mit Glanzleistungen zu zeigen. Torhüter Lasse Ludwig ließ die 5621 Zuschauer immer wieder mit tollen Aktionen jubeln, am Ende kam der deutsche Nationalkeeper auf zehn Paraden. Offensiv entlarvte sich Mathias Gidsel als bester Werfer, zwölfmal war der dänische Welthandballer erfolgreich. Doch auch Linksaußen und Siebenmeter- Schütze Tim Freihöfer war eiskalt, alle seiner elf Versuche fanden den Weg ins Netz. Dabei hatte die Partie am 6. Spieltag der EHF Champions League sportlich quasi keine Bedeutung. Bereits vor dem Aufeinandertreffen war klar, dass die Füchse Berlin in die Hauptrunde einziehen, der RK Partizan AdmiralBet steigt in die EHF European League ab.
Dennoch gaben sich beide Teams beim 40:33 (17:18) keine Blöße und boten den Anhängern in der Max-Schmeling-Halle einen ansehnlichen Könisgsklassen-Abend. War es in der ersten Halbzeit noch eine ausgeglichene Angelegenheit, bei der die Füchse zur Pause noch zurücklagen, legten sie im zweiten Durchgang noch einmal eine Schippe obendrauf und zogen immer mehr davon. Die beiden gewonnenen Punkte nehmen die Berliner allerdings nicht in die Hauptrunde mit, da sie im direkten Vergleich mit dem Tabellenersten One Veszprém HC 0:4 Zähler haben. In der nächsten Phase warten nun Aalborg Håndbold, Paris Saint-Germain, Orlen Wisla Plock und die MT Melsungen als Gegner. Am morgigen Freitag sollen der Spielplan sowie die Ticketinformationen folgen.
So liefen die 60 Minuten
Aktion Nummer eins ging an den Spieler mit der Nummer eins bei den Füchsen Berlin: Torhüter Lasse Ludwig parierte den ersten gegnerischen Abschluss, doch der RK Partizan AdmiralBet ging im nächsten Angriff dennoch mit 1:0 in Führung. Mathias Gidsel glich allerdings postwendend für den Hauptstadt-Club aus. Nach zwei Treffern der Serben verkürzte Tim Freihöfer per Siebenmeter (6.). Nachdem Gidsel hinter dem Rücken einen traumhaften Treffer erzielte und Freihöfer noch einmal vom Strich aus eiskalt blieb, war der Ausgleich besiegelt (10.). Matthes Langhoffs erstes Tor und erneut Freihöfer drehten die Partie, 7:6 in der 13. Minute. Aufseiten der Gäste konnten die Belgrader ihren Kreisläufer Tobias Wagner immer wieder gut in Szene setzen, doch für die Berliner machte es sein Positions-Pendant Mijajlo Marsenić zweistellig.
Nach knapp 20 Minuten holte sich Partizan allerdings die Führung wieder zurück, Miloš Kos mit einem sehenswerten und artistischen Dreher. Indes kam aber auch Fabian Wiede auf die Platte, wobei er nach seiner Verletzungspause nicht nur seinen ersten Saison-Einsatz in der EHF Champions League feierte, sondern zudem offensiv Spielpraxis sammelte und in der 23. Minute erfolgreich einen Wurf abschloss. Hákun West av Teigum erzielte kurz zuvor seinen 100. Treffer in der Königsklasse, die er allesamt für die Füchse machte. Als die Mannschaft aus Belgrad etwas an Oberwasser zu erlangen schien, entschärfte Ludwig einen Siebenmeter – Gidsel glich auf der anderen Seite zum 15:15 aus (25.). Die nächste gute Abwehr-Torhüter-Kooperation gab Langhoff die Möglichkeit, die Gastgeber wieder in Front zu bringen. Das Blatt drehte sich abermals, sodass die Füchse mit einem 17:18-Rückstand in die Pause gingen.
Einmal mehr war Freihöfer aus sieben Metern erfolgreich, sodass der zweite Durchgang mit dem Ausgleich begann. Aymeric Zaepfel meldete sich derweil mit einem Wurf aus der zweiten Reihe an. Weil dann Ludwig wieder zur Stelle war, drehte Gidsel den Spielstand auf 20:19 (34.). Ludwig wehrte daraufhin mit dem Fuß ab, aus ganz spitzem Winkel erhöhte Gidsel auf Plus zwei. Mit viel Durchsetzungsvermögen machte es wenig später Tobias Grøndahl zum 25:23 (41.), eine Minute später erhöhte der Norweger schick auf Plus drei. Zwei weitere Paraden Ludwigs machten es möglich, dass Freihöfer von Linksaußen auf 27:23 (43.) stellte. Eine Viertelstunde vor dem Ende erhöhte der deutsche Nationalspieler nach einem Steal Langhoffs, der kommende Woche ebenfalls mit DHB-Team agiert, die Führung auf fünf Tore.
Zaepfel machte die 30 Tore voll, der Mann mit der Trikotnummer 30 profitierte von der nächsten Ludwig-Aktion. Grøndahl, Gidsel und Freihöfer trafen erneut und brachten die Mannschaft aus der deutschen Hauptstadt auf Plus sieben. Wiede konnte mit einem Doppelschlag etwa fünf Minuten vor Schluss die Halle noch einmal aus den Sitzen reißen. In Unterzahl parierte Ludwig abermals und im Gegenstoß vollendete auch Frederik Simak zum 37:30 (56.). Aitor Ariño belohnte sich ebenfalls spät für einige starke Abwehraktionen mit einem Tor. Schlussendlich war es ein 40:33, bei dem Langhoff den letzten Treffer zum neuen Zehner-Schritt erzielte.
So geht es weiter
Am kommenden Sonntag, 1. November, geht es für die Füchse Berlin in der Opel Handball-Bundesliga auf die Reise. Mit dem Ziel „Werner-Aßmann-Halle“ ist diese jedoch nicht allzu weit. In Thüringen treffen die Mannen von Trainer Nicolej Krickau ab 16.30 Uhr auf den ThSV Eisenach. Danach steht erst einmal eine Woche Nationalmannschaftpause an.
Stimmen und Statistik
Trainer Nicolej Krickau: „Das war ein Spiel, mit dem wir durchaus zufrieden sein können. Wir hatten einige Schwierigkeiten mit Wagner und Lumbroso, aber das wussten wir schon vor dem Spiel. Dennoch ist es uns gelungen, genügend Chancen zu kreieren, um im Laufe der Zeit den Unterschied zu machen. Wir wussten natürlich auch, dass Partizan aufgrund der vielen Wechsel mit der Zeit müde werden würde, und genau so war es dann auch. Es war nicht alles perfekt, aber dennoch haben wir das von uns angestrebte Spielbild umgesetzt. Jetzt freuen wir uns darauf, in der Hauptrunde einen Rückstand aufzuholen. Das wird eine hartes Stück Arbeit: sechs großartige Mannschaften in einer sehr ausgeglichenen Gruppe, in der wir von Platz sechs starten und uns nach oben arbeiten müssen – hoffentlich bis ins Viertelfinale. Das wird eine schwere Aufgabe, aber wir freuen uns sehr auf all die Herausforderungen, die vor uns liegen.“
Bester Werfer Mathias Gidsel: „Die erste Halbzeit war ein bisschen schwierig, ein bisschen zu wenig von uns, die Abwehr hatte ein bisschen Schwierigkeiten. In der zweiten Halbzeit zeigen wir aber, dass wir die bessere Mannschaft waren. Insgesamt war es okay. Jetzt gehen wir weiter in eine spannende Hauptrunde, bei der alle Möglichkeiten offen sind für uns. Ich weiß, das wird eine enge und spannende Hauptrunde.“
Füchse Berlin: Ludwig (10 Paraden), Palicka; Wiede (3), Darj, Prantner, Simak (2), Ariño (1), Grøndahl (3), Gidsel (12), Freihöfer (11/7), Langhoff (3), Zaepfel (2), av Teigum (2), Marsenić (1).
RK Partizan AdmiralBet: Krivokapic, Trnavac (6 Paraden); Sanchez-Migallon (1), Crnoglavac (4/1), Sotic, Mirkovic (2), Kulesh (4), Abutovic, Sijan, Micic (1), Wagner (6), Lumbroso (4), Papovic (1), Andjelkovic (6/2), Kos (4).