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27.04.2008|Spielbericht|ATz

Füchse verpassen die Sensation um Sekunden - 26:27 gegen den THW Kiel

In einem großen Handballfest gelang es den Füchsen Berlin fast die Sensation in der Toyota Handball-Bundesliga zu schaffen. Erst mit dem Schlusspfiff entschied Viktor Szilagyi das Spiel mit seinem Treffer zum 27:26 (11:13). Erfolgreichster Werfer für die Berliner war Konrad Wilczynski mit 6/1 Toren, beim THW Kiel traf Vid Kavticnik mit 5/2 Toren am meisten.

Vor einer beeindruckenden Kulisse in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle empfing der Aufsteiger aus der Hauptstadt den Triple-Sieger aus der vergangenen Saison - THW Kiel. Die Kieler stecken nach dem Pokalsieg in der laufenden Saison noch voll im Kampf um die deutsche Meisterschaft. Um die Meisterschaft im Nordostdeutschen Handballverband hingegen kämpfen noch die Jungs der A-Jugend der SG Spandau/Füchse. Das Team von Bob Hanning konnte nur einen hauchdünnen Vorsprung von 2 Toren mit ins Rückspiel nach Bad Bramstedt nehmen.

Gleich in der zweiten Minute langte Hany El Fakharany etwas zu hart zu und traf dabei Nikola Karabatic im Gesicht. So gerieten die Füchse in Unterzahl. Der THW legte mit einer guten Abwehrleistung los und ging folgerichtig mit 0:3 in Führung. Füchse-Coach Lommel war seine Mannschaft zu nervös gegen den übermächtigen Gegner, daher nahm er bereits nach 4:43 auf der Uhr seine Auszeit. In der siebten Minute erlöste dann Bartlomiej Jaszka die Berliner Fans mit seinem Treffer zum 1:4. Auch wenn die Füchse auf 3:6 herankamen, blieben sie noch zu oft im Block der Kieler hängen. Doch Jaszka kämpfte im Angriff auch für seine Nebenleute und ermöglichte Markus Richwien das 5:7 nach 15 Minuten.

Statt mit einem Linkshänder im rechten Rückraum spielten die Berliner weite Strecken mit zwei Spielmachern. Denn nicht Bult stand auf der Position sondern Strand, der bekannterweise zudem Torjägerqualitäten hat. In der 20. Minute gelang den Füchsen sogar der 9:9-Ausgleich durch Richwien. Im Tor machte Petr Stochl weiter, wo er am Mittwoch gegen Wilhelmshaven aufgehört hat. Kurz nach dem Ausgleich verbuchte der tschechische Nationaltorhüter bereits seine 10. Parade.

Die Schadensbegrenzung gelang den Füchsen nach der Anfangsnervosität gut. Nicht zuletzt aber auch dadurch, dass der THW sein Leistungspotenzial noch nicht abrufen konnte. Beim amtierenden Meister kam kein rechter Spielfluss auf. In der 28. Minute gelang Mark Bult so der erneute Ausgleich zum 11:11. Aber Karabatic und Lövgren stellten noch den 11:13 Halbzeitstand her.

Füchse kurz vor der Sensation - Szilagyi rettet zwei Punkte für Kiel

Die zweite Hälfte begann gut für die Gastgeber. Konrad Wilczynski konnte den Abstand auf ein Tor zum 12:13 verkürzen und Stochl parierte einen Strafwurf gegen Stefan Lövgren. Kurioserweise war es dann Abwehrakteur Frank Schumann, der die 15:14-Führung für die Füchse Berlin herstellen konnte. Fakharany erhöhte gar auf 2 Tore Vorsprung. Und die Berliner schienen sich in einen Rausch zu spielen, denn auch Richwien war aus unmöglichem Winkel zum 17:14 erfolgreich. Die Fans im Fuchsbau wussten nicht recht, ob sie diesen Spielstand glauben sollten. Aber die Füchse erschienen wie ein ebenbürtiger Gegner. Nach dem 18:14 von Mark Bult reagierte dann Noka Serdarusic mit seiner Auszeit.

Aber auch im Anschluss gelang es den Kielern nicht wieder heranzukommen. Im Gegenteil, denn Kjetil Strand erhöhte weiter zum 22:16 für die Berliner. Serdarusic versuchte es im Angriff mit allen Mitteln. Doch bis auf starke Einzelaktionen konnte keiner der Spieler wirkliche Akzente setzen. In der 50. Minute stand bereits die komplette Berliner Bank und riss die Arme in die Luft. Manager Bob Hanning bekam das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Unterdessen verbuchte Petr Stochl im Berliner Tor bereits seine 23. Parade.

Den Kielern gelang es aber ihre Schnelligkeit auszuspielen und wieder auf 24:21 aufzuschliessen. Auf der Gegenseite war im Angriff die Luft raus, obwohl die Sensation in der Luft lag. Beim THW war zwischenzeitlich auch Mattias Andersson zwischen den Pfosten und bot starken Rückhalt. In der 57. Minute stand es folgerichtig nur noch 25:24 für Berlin. Viktor Szilagyi konnte daraufhin zum 25:25 ausgleichen. Der österreichische Nationalspieler setzte die wichtigen Akzente im Kieler Angriff.

Es blieb spannend bis zum Schluss, dem THW gelang der Ausgleich zum 26:26 erst in der letzten Minute. 20 Sekunden vorm Ende war Berlin dann mit diesem Ergebnis in Ballbesitz. Doch Richwien scheiterte am starken Andersson. Konrad Wilczynski erhielt dann 6 Sekunden vor Schluss die rote Karte wegen eines taktischen Fouls. Er hatte versucht Kim Andersson am Gegenstoß zu hindern. Und das womit eigentlich jeder vorher rechnet ist eingetreten. Szilagyi beendet den Krimi dann für die Kieler und sichert die zwei Punkte mit seinem Tor zum 27:26 zeitgleich mit dem Schlusspfiff. Zwei sehr glückliche aber mindestens genauso wichtige Punkte für den THW und ein tolles Handballfest für die Berliner Handballfans.

Stimmen zum Spiel:

Zvonimir Serdarusic - Trainer THW Kiel
Es fällt mir schwer, denn sowas erlebt man nicht jeden Tag. Wir haben eigentlich ganz normal angefangen und die ersten 30 Minuten haben wir gut gespielt. Eine viertel Stunde vor Schluss war das Spiel fast entschieden. Wir haben alles auf eine Karte gesetzt. Abwehr dicht machen und vorne volles Risiko spielen. Der Dank gilt Mattias Andersson und Viktor Szilagy. Das wir gewonnen haben war absoluter Dusel. Gegen Nordhorn zu Hause mit dieser Spielweise werden wir keine Punkte behalten. Ich weiß nicht woher die Schwächephase kommt, aber ich bin jetzt 15 Jahre beim THW und wir haben das jede Saison. Wenn ich wüsste woran das liegt, würde ich darauf reagieren. Aber ich bin ja kein Hellseher.

Jörn-Uwe Lommel - Füchse Berlin
Was soll ich zu dem Spiel sagen. Auf der einen Seite bin ich froh was wir geleistet haben, andererseits auch enttäuscht das wir mit leeren Händen da stehen. Die Big Points haben wir dann am Ende einfach nicht gemacht. Szilagyi hatten wir nicht auf der Rechnung, die drei Schlagwürfe entscheiden dann das Spiel. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir doch noch mal eine neue Serie starten können.




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