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26.05.2012|Spielbericht|RM

"Enttäuscht, aber zufrieden" - Füchse verlieren mit 24:25 gegen Kiel

Die Außenseiterrolle war den Füchsen Berlin im Halbfinale der Champions League gegen den THW Kiel bewusst, aber sollte es eine Chance geben, so wollte man sie nutzen. Die Chance gab es, weil die Füchse nie aufgaben, sich zurückkämpften und das Spiel bis zum Schluss offen hielten. Am Ende hieß es dann aber 24:25 (12:15), die Verlängerung und die mögliche Sensation wurden verpasst. Dabei hatte Petr Stochl überragend gehalten, im Rückraum wirbelten vor allem Bartlomiej Jaszka (6) und Alexander Petersson (7) wie die Wilden.

Dabei verlief der Start ins VELUX EHF FINAL4 alles andere als optimal. Die ersten beiden Treffer gehen auf das Kieler Konto, bevor Sven-Sören Christophersen auf 1:2 verkürzen kann. Der Deutsche Meister hat aber weiterhin die Nase vorn, steht perfekt in der Deckung und unterbindet alle Berliner Offensiv-Bemühungen. Auf der anderen Seite nutzt er dafür die 5:1-Abwehr der Füchse, schafft Lücken und provoziert Fouls.

Nach 14 Minuten steht es bereits 3:8 und Dagur Sigurdsson nimmt seine Auszeit. Da hatten die Füchse bereits eine doppelte Unterzahl überstanden und Iker Romero war beim Strafwurf an Thierry Omeyer gescheitert. Und die Kieler Dominanz hielt an, bis zum 5:11 erhöht sich der Rückstand der Füchse. Dabei zieht Trainer Sigurdsson alle Register, bringt im Tor Petr Stochl für Silvio Heinevetter, setzt Evegeni Pevnov als zweiten Kreisläufer ein und setzt auch Iker Romero ein. Es hilft alles nichts, der Rückstand wächst auf sechs Tore.

Alles sah schon nach einer deutlichen, schmerzhaften Niederlage aus, beim 5:11 betrug der RÜckstand sogar sechs Tore. Aber wer die Füchse kennt, der weiß, dass bis zur 60. Minute alles möglich ist. Die Umstellung auf die klassische 6:0-Abwehr der Berliner zeigt Früchte, dahinter hält Stochl glänzend. Beim 6:11 packt Petersson wieder einmal seinen Hammer aus, ab sofort wird Tor um Tor aufgeholt.

Als Iker Romero zum 11:13 trifft sind die Berliner wieder im Spiel. Mit 12:15 geht es dann auch in die Pause, jetzt waren die Kieler verunsichert und die Füchse hatten wieder Mut getankt. So begann dann auch der zweite Durchgang, Nervosität auf beiden Seiten. Fast fünf Minuten dauerte es bis zum ersten Tor, bevor Bartlomiej Jaszka zum 13:15 trifft. Der polnische Spielmacher ist ohnehin Dreh- und Angelpunkt der Füchse, daneben war auch Alexander Petersson wieder ganz der Alte.

20.000 Zuschauer machten kräftig Lärm in der Lanxess-Arena, darunter auch der gelbe Füchse-Fanblock, das war die Kulisse von Iker Romero. Ihm gelang dann auch das Kunststück einen Ball zu erobern, selbst den Tempogegenstoß zu laufen und auf 14:15 zu verkürzen. Immer wieder erhöht Kiel auf zwei Treffer, die Füchse verkürzen. Doch die Kieler wurden nicht ohne Grund vorzeitig Deutscher Meister und haben in Deutschland diese Saison noch kein Spiel verloren. Mit der ganzen Routine hält Alfred Gislason sein Team im Spiel. Jede Chance wird erbarmungslos genutzt, so dass es zwölf Minuten vor Schluss plötzlich 18:22 stand.

Und wer geglaubt hatte, dass sich Petr Stochl nicht steigern könnte, den überzeugte der Tscheche vom Gegenteil. Er parierte, seine Vorderleute trafen, Tor um Tor. Und war Sven-Sören Christophersen bis dahin eher glücklos und unauffällig, den wichtigen Treffer zum 22:23 markierte der Rückraumspieler. Dem Mannschaftskapitän Torsten Laen mit seinem einzigen Treffer war dann der Ausgleich zum 23:23 gegönnt.

Der THW Kiel nimmt nun die Auszeit, noch sind etwas über sechs Minuten zu spielen und das Spiel ist völlig offen. Filip Jicha, der überragende Mann des THW, bringt die Schwarz-Weißen wieder in Führung, aber noch einmal gelang Alexander Petersson mit seinem siebten Treffer der Ausgleich zum 24:24. Es war die Schlussphase der Tschechen, mit dem glücklicheren Händchen für Filip Jicha. Der Kieler überwand von Petr Stochl unbemerkt die Füchse-Abwehr und markierte den späteren Siegtreffer zum 25:24. Die Füchse nutzten den letzten Angriff, Sigurdsson brachte sogar einen siebten Feldspieler, so dass durch eine Zeitstrafe gegen den THW die Füchse sogar in doppelter Überzahl waren. Aber der letzte Wurf von Ivan Nincevic ging vorbei, zwei Sekunden vor Schluss verpassten die Füchse die Verlängerung.

Während die Kieler Fans zwischen Jubel und Erleichterung schwankten, mussten die Berliner mit ihrer Enttäuschung fertigwerden. So bitter die Niederlage auch war, die Mannschaft um Kapitän Torsten Laen und Torhüter Petr Stochl konnte sich auch über die großartigen Erfolge in der Champions League und vor allem das ganz besondere Highlight beim VELUX EHF Final4 freuen. Auch wenn das Wunder von Köln am Ende ausblieb.

Füchse Berlin - THW Kiel 24:25 (12:15)

Füchse Berlin:
Stochl (14 Paraden, 50%), Heinevettter (1/1 Paraden; 8%);
Petersson 7, Jaszka 6, Christophersen 3, Romero 3, Pevnov 2, Laen 1, Nincevic 1, Bult 1/1, Spoljaric, Sellin, Richwien,
Wiede, Löffler

THW Kiel:
Omeyer (9/1 Paraden, 31%), Palicka (0 Paraden, 0%);
Jicha 11/4, Andersson 3, Ahlm 3, Lundström 2, Sprenger 2, Narcisse 2, Illic 2, Kbes, Reichmann, Zeitz, Palmarsson, Klein

Zeitstrafen: 8:8 Minuten (Spoljaric, Pevnov, Bult, Petersson - Andersson, Ahlm, Narcisse 2x)
Siebenmeter: 1/3 - 4/5 (Romero scheitert an Omeyer, Nincevic an die Latte - Illic scheitert an Heinevetter)

Schiedsrichter: Abrahamsen, Kristiansen (Norwegen)
Zuschauer: 20.000




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