Es war alles angerichtet für einen unvergesslichen Handball-Abend. 9000 Zuschauer in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle heizten die Stimmung an und empfingen den frischgebackenen Pokalsieger im Fuchsbau. Beim Einlaufen präsentierte Kapitän Max Darj die schillernde Trophäe mit viel Pyro im Hintergrund. Ein wahres Feuerwerk zündeten dann vor allem zwei Spieler der Füchse Berlin. Torhüter Dejan Milosavljev konnte erneut groß aufspielen und wies 19 Paraden auf. Der Mann mit der Trikotnummer 19, Mathias Gidsel wiederum, war mit elf Toren der mit Abstand beste Werfer des Abends. Diesen beiden Weltklasse-Akteuren war es zu verdanken, dass der Tabellenvierte der DAIKIN Handball-Bundesliga nicht am Deutschen Meister vorbeizog.
Das 28:26 (13:12) am 29. Spieltag war Balsam auf der Seele, verloren die Füchse ihr Hinspiel beim VfL Gummersbach doch noch. Nun also die Revanche, doch dafür brauchte es einen ordentlichen Kampfeswillen. Zwar erwischte der Gastgeber den besseren Start, doch dann biss sich der Gegner fest und blieb stets dran. In der Crunchtime behielten die Hauptstädter dann allerdings den kühleren Kopf und konnten die wichtigen Situationen für sich entscheiden. Trainer Nicolej Krickau lobte im Anschluss die Breite im Kader sowie deren geschlossene Teamleistung. Beispielsweise kamen Matthes Langhoff und Lukas Herbuger spät für tragende Rollen auf die Platte, und konnten die Extra-Prozentpunkte abrufen.
Das waren die 60 Minuten voller Kampfgeist
Vom Siebenmeterstrich aus läutete Tim Freihöfer die Partie ein. Der Linksaußen verwandelte sicher zum 1:0 für die Füchse Berlin, nachdem sich zuvor Nils Lichtlein bis zum Foulspiel des VfL Gummersbach gut durcharbeitete. Den ersten Abschluss der Nordrhein-Westfalen durch den Ex-Hauptstädter Miro Schluroff parierte Dejan Milosavljev prompt. Der serbische Schlussmann war erneut zur Stelle, sodass Lichtlein für den frischgebackenen Pokalsieger erhöhte. Erst nach gut vier Minuten gelang den Gästen der erste Treffer, da verewigten sich die Füchse bereits dreimal auf der Anzeigetafel, auch durch Mathias Gidsel. In der Anfangsphase ließ der MVP des Lidl Final4 die Max-Schmeling-Halle staunen, jener Lasse Andersson spielte Mijajlo Marsenić nämlich sehenswert an den Kreis an. Dasselbe Gefühl löste auch Milosavljev aus, als er den Siebenmeter seines ehemaligen Mitspielers Milos Vujovic entschärfte (11.). Gidsel markierte zwei Minuten später das 7:3 und ließ die Zuschauer im Fuchsbau strahlen.
Nach einer Viertelstunde waren es lediglich vier Gegentore für die Berliner, doch richtig absetzen konnte sich der Deutsche Meister nicht. Im Spiel Dritt- gegen Viertplatzierter schenkten sich beide Teams nichts. Nach einem technischen Fehler der Hausherren brachte Vujovic die Gummersbacher wieder auf zwei Tore heran (8:6, 18.). Daran änderte auch Milosavljevs nächste Parade und Gidsels Wurf in den Knick ohne Gleichgewicht nichts (24.). Weitere Treffer des Welthandballers konnten die Gastgeber weiter nicht davonziehen lassen, sodass es mit einer sehr knappen 13:12-Führung in die Halbzeit ging.
Quasi aus der Kabine kommend sorgte Milosavljev für das nächste Highlight: der Füchse-Torhüter nahm dem VfL-Kempa-Versuch seinen Glanz. Im Gegenangriff setzte sich Lichtlein stark durch und stellte auf 14:12 (32.). Weil es dann aber vor allem im Angriff des Hauptstadt-Clubs nicht passte, konnten die Gäste den Spielstand fast drehen. Nach dem 14:14-Ausgleich war Milosavljev wichtig zur Stelle, und Gidsel legte einen Doppelschlag nach. Nach seinem Treffer in der 39. Minute, bei dem er im Tempogegenstoß den ins Tor eilende Dominik Kuzmanović ins Leere laufen ließ, blickte der Führende der HBL-Torschützenliste voller Genuss in die vollen Ränge der mit 9000 Zuschauern ausverkauften Max-Schmeling-Halle. Lichtlein mit einem flinken Wackler brachte das 19:17, ehe Milosavljev den nächsten Siebenmeter parierte.
Tobias Grøndahl machte es kurz darauf vom Strich besser und stellte auf 20:17 (45.), Lukas Herburger markierte den nächsten Treffer der Füchse. Von großer Signalwirkung war auch, dass Gidsel in der 50. Minuten einen Abpraller in den gegnerischen Kreis springend noch zum 22:19 verwertete. Doch weil technische Fehler hinzukamen, nahm Coach Nicolej Krickau beim Ausgleich der Gummersbacher (52.) die Auszeit. Die Reaktion: Matthes Langhoff ackerte sich zur erneuten Führung. Nachdem der ehemalige Jungfuchs noch einmal traf, blockte Herburger einen Gummersbacher Abschluss, drei Minuten vor dem Schluss war wieder Milosavljev zur Stelle – eineinhalb Minuten vor dem Ende auch noch gegen den Wurf Kay Smits‘ vom Strich. Somit konnte der 28:26-Heimsieg eingetütet werden.
Die Königsklassen-Crunchtime ruft
In der kommenden Woche geht es in die heiße Phase der Machineseeker EHF Champions League. Dann gastieren die Füchse Berlin am Donnerstag, 30. April, bei One Veszprém HC in Ungarn, um ab 18.45 Uhr das Viertelfinal-Hinspiel zu bestreiten. Eine Woche später kommen die Kontrahenten dann in die deutsche Hauptstadt. Am Mittwoch, 6.Mai, geht es von 18.45 Uhr an in der Max-Schmeling-Halle um den Einzug in das TruckScout24 EHF FINAL4. Wer dabei sein möchte, sollte sich jetzt schnell noch
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Trainer Nicolej Krickau: „Wir spielen eine gute erste Halbzeit. In der zweiten Hälfte war es dann ein wahnsinniger Fight, in dem es relativ wenig um Taktik ging. Es war eine fantastische zweite Halbzeit von beiden Mannschaften. Es macht mich stolz, dass wir nicht nur über das Tempospiel oder über unsere technischen Fähigkeiten ein Spiel entscheiden können, sondern auch über einen Fight und einen gemeinsamen Teamgeist. Es war eine unfassbare Energieleistung. Auch ein großes Lob an Matthes Langhoff und Lukas Herburger, die sowohl im Angriff als auch in der Abwehr entscheidende Rollen übernommen haben. Dazu braucht man manchmal auch die besten Spieler der Welt. Was Dejan Milosavljev und Mathias Gidsel gemacht haben, war absolute Weltklasse. Wir wussten, dass es wahnsinnig schwer wird gegen die Abwehr von Gummersbach. Glücklicherweise haben heute einige unserer Spieler eine Leistung gezeigt, die Weltklasse war. Das hat am Ende den kleinen Unterschied ausgemacht. Ich bin dankbar für diese Unterstützung, die wir bekommen haben, auch von der Arena.“
Füchse Berlin: Ludwig, Milosavljev (19 Paraden); Darj (1), Prantner, Andersson (5), Ariño, Grøndahl (2/2), Lichtlein (3), Gidsel (11), Freihöfer (2/1), Cehte, Pichiri, Langhoff (2), Herburger (1), av Teigum, Marsenić (1).
VfL Gummersbach: Kuzmanović (12 Paraden), Obling (1); Vidarsson (4), Kodrin (1), Vujović (1/1), Blohme (2), Häseler, Einarsson, Schluroff (4), Hallbäck (2), Mahé (4), Horzen (3), Kiesler, Smits (5), Zeman.