Quasi mit der Schlusssirene tauchte Lasse Ludwig einmal mehr in die rechte Ecke ab und verhinderte den Einschlag des Abschlusses von Renārs Uščins. Diese, seine 17. Parade, besiegelte den Endstand von 30:30 (11:15). Zuvor war es vor allem in der Schlussphase ein Auf und Ab, mit dem Punkt waren beide Mannschaften nicht so wirklich zufrieden. Die Füchse Berlin verlieren einen Zähler im Kampf um Platz zwei in der DAIKIN Handball-Bundesliga, die TSV Hannover-Burgdorf hatte an diesem 32. Spieltag gute Möglichkeiten auf einen Erfolg in der Ferne. Am Ende teilen sie sich jedoch die Punkte, während Ludwig der überragende Mann war, der die 8601 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle immer wieder aus den Sitzen riss, auch mit einer Doppel-Tat.
Insgesamt erwischten die Gastgeber den besseren Start, führten schnell mit 6:3. Dann allerdings drehte sich das Momentum komplett und die Recken spielten sich in einen Rausch, während bei den Füchsen wenig zusammenlief. Weil es zum Ende der ersten Halbzeit etwas besser wurde, ging es mit einem 11:15-Rückstand in die Pause. Aus jener kamen die Hauptstädter in überragender Form, konnten in der 37. Minute bereits ausgleichen. Es blieb bis zur Schlusssirene allerdings ein Kampf auf Augenhöhe, auch wenn der Deutsche Pokalsieger noch einmal auf Plus drei davonziehen konnte. Schlussendlich sollte es keinen Sieger geben.
Der Spielfilm zum Remis im Fuchsbau
Direkt mit einer Parade startete Lasse Ludwig in die Begegnung, der ehemalige Jungfuchs durfte zwischen den Pfosten der Füchse Berlin beginnen. Nach 46 Sekunden war bei ihm aus sechs freien Metern Endstation für Justus Fischer, den Kreisläufer der TSV Hannover-Burgdorf. Mathias Gidsel markierte dann den Premierentreffer, weil den Gästen ein technischer Fehler unterlief, erhöhte Tim Freihöfer per Siebenmeter auf 2:0 (3.). Als die Kontrahenten auch auf das Scoreboard kamen, traf Mijajlo Marsenić zum 3:2. Weil Ludwig im Füchse-Kasten weiter brillierte, auch mit einer Siebenmeter-Parade, konnte er die Berliner vor dem Ausgleich bewahren, stattdessen stellten Lasse Andersson und Co. auf 6:3 für die Hausherren (13.). Allerdings begann daraufhin eine schludrige Phase des Deutschen Meisters, nach einer Viertelstunde brachte August Pedersen vom Strich aus die erste Hannoveraner Führung.
Die TSV machte weiter und konnte sich auf drei Tore absetzen, was den Hauptstadt-Coach Nicolej Krickau zur ersten Auszeit bewegte. Auch diese trug erst einmal keine Früchte, gerade in der Offensive stockte es ordentlich. So ging es mit einem 11:15-Rückstand in die Halbzeit. Aus der Kabine kommend konnten die Füchse jedoch das Momentum nutzen und holten den Rückstand allmählich auf. Nils Lichtlein setzte mit seinem Treffer den Startschuss für die Aufholjagd. Danach holte er einen Siebenmeter heraus, welchen sein Nationalmannschafts-Kollege Freihöfer sicher verwandelte. Er war es auch aus gleicher Position, der in der 37. Minute den Ausgleich zum 16:16 erzielte, nachdem zuvor auch Marsenić erneut erfolgreich war. Torhüter Ludwig hatte in dieser Phase erneut die Hände an den Ball bekommen.
Im weiteren Verlauf blieb es beim Wechselspiel mit Hannovers Führungen und Berlins Pari-Pari. Als Nach 41 Minuten Ludwig aber seine elfte Parade auf das Parkett zauberte, konnte Tobias Grøndahl per Siebenmeter die Führung zurückerobern – 19:18. Weil Ludwig wieder zur Stelle war, nahm sich Gidsel den Abpraller und erhöhte auf Plus zwei. Kurz darauf knackte der Welthandballer mit dem 276. Saisontreffer seinen eigenen HBL-Feldtorrekord – ein weiterer Meilenstein für den Dänen. Das nächste Highlight ließ derweil nicht lange auf sich warten: Ludwig ließ den Fuchsbau mit einer doppelten Parade eskalieren. Erst war er mit dem langgestreckten Fuß dran, dann mit den Armen. Sein Einsatz hatte sich definitiv gelohnt.
Seine vielen Taten konnten allerdings auch nicht verhindern, dass die Berliner die Führung wieder aus der Hand gaben. Acht Minuten vor dem Spielende glich Hannover zum 26:26 aus. Leif Tissier brachte die Recken sogar wieder in Front (54.), Lichtlein setzte sich aber gut durch und gab die passende Antwort. Bis zur Schlusssirene war es ein Thriller. Nach einem technischen Fehler Hannovers vergab wiederum Gidsel die Chance, kurz vor dem Schluss auf Plus eins zu stellen. Den allerletzten Wurf hatte TSV-Star Renārs Uščins, doch einmal mehr war Ludwig im Eck.
So geht es weiter
In der kommenden Woche gastieren die Füchse Berlin im Nachholspiel der DAIKIN Handball-Bundesliga am Freitag, 29. Mai, beim ThSV Eisenach. Es stehen daraufhin noch ein Auswärtsspiel bei der MT Melsungen sowie der Bundesliga-Abschluss gegen Flensburg in der Max-Schmeling-Halle an. Am 13. und 14. Juni steigt dann noch das TruckScout24 EHF FINAL4 in Köln.
Stimme und Statistik
Trainer Nicolej Krickau: „Wir waren heute gar nicht in der nötigen Verfassung. Wir wissen, wie schwer es ist, nach solch einer Pause wieder in die Spur zu kommen. Kollektiv sowie individuell waren wir zu weit entfernt von unseren Stärken. Hannovers Abwehr war heute ein wenig defensiver eingestellt als erwartet. Wenn wir in der ersten Halbzeit Chancen kreiert hatten, haben wir zu viele davon verworfen. In der zweiten Hälfte hatten wir mehr Flow in unserem Spiel. Bei einem Drei-Tore-Vorsprung müssen wir das Momentum auf unserer Seite behalten. In dieser Phase waren wir erneut nicht effektiv genug. Trotz einer Super-Lasse-Ludwig-Performance haben die Voraussetzungen heute nicht ausgereicht.“
Füchse Berlin: Ludwig (17 Paraden), Milosavljev; Darj, Prantner, Andersson (4), Ariño, Grøndahl (2/1), Lichtlein (4), Gidsel (9), Freihöfer (4/3), Cehte, Pichiri, Langhoff (1), Herburger, av Teigum (1), Marsenić (5).
TSV Hannover-Burgdorf: Gade (4 Paraden), Birlehm (12); Tissier (7), Poulsen, Uscins (5), Pedersen (5/4), Steinhauser (3), Dietzsch, Edvardsson (2), Aho, Stutzke, Solstad (2), Fischer (5), Weber (1), Rodriguez, Wolf.