Bester Werfer der Partie mit zwölf Toren war Mathias Gidsel. Gemeinsam mit seinem Rückraum-Kollegen Matthes Langhoff ging er in der zweiten Halbzeit voran. Der deutsche Nationalspieler (sieben Tore, zweitbester Füchse-Schütze) war zudem im Innenblock defensiv neben Kapitän Max Darj gefragt. Zwischen den Pfosten der Füchse Berlin war darüber hinaus Torhüter Lasse Ludwig mit sieben Paraden immer wieder zur Stelle und konnte bei der Aufholjagd seinen Anteil leisten. Auch Tim Freihöfer, der fünfmal einnetzte, zeigte beim 32:29 (16:10) gegen den ThSV Eisenach am 11. Spieltag der Opel Handball-Bundesliga eine ordentliche Leistung.
Der Start in die Partie und die gesamte erste Halbzeit verlief überhaupt nicht nach Plan. Während das Duell zu Beginn noch einigermaßen auf Augenhöhe stattfand, konnten sich die Thüringer immer mehr absetzen. Kurz vor dem Seitenwechsel sahen sich die Berliner einem Minus sieben gegenüber, glaubten allerdings weiter an sich und ihre Stärken, sodass sie in Durchgang zwei ein wahnsinniges Comeback feierten. Für Coach Nicolej Krickau war die offensive Abwehr mit Manndeckung der Schlüssel zum Erfolg. Unter anderem ein 6:0-Lauf stellte eine Viertelstunde vor dem Spielende wieder auf Pari-Pari. Die erste Führung seit einer halben Stunde Spielzeit (50.) ließ sich das Ensemble nicht mehr nehmen und feierte nach der Schlusssirene den Auswärtssieg, mit dem es nun zu den Nationalmannschaften geht.
Das waren die 60 Minuten im Detail
Die Hausherren des ThSV Eisenach machten den Beginn, doch Tim Freihöfer konnte im ersten Angriff der Füchse Berlin das 1:1 erzielen. Sein Pendant auf Rechtsaußen, Hákun West av Teigum, markierte indes den zweiten Treffer der Gäste. Wenig später kam Torhüter Andreas Palicka quer in der Luft liegend auf seine erste Parade. Trotz ungenutzter Überzahl und technischer Fehler aufseiten der Thüringer dauerte es gute zehn Minuten, bis Freihöfer das dritte Tor der Hauptstädter zum 3:2 verwandelte. Obwohl Palicka weiter Zählbares für die Keeper-Statistik sammelte, schwappte das Momentum zu den Wartburgstädtern über, die den Spielstand wieder zu ihren Gunsten drehen konnten. Per Siebenmeter glich Freihöfer allerdings wieder aus, 4:4 (12.). Bereits in der Anfangsphase waren es die erwartet vielen Zweikampf-Duelle.
Mit einer Steal-Tor-Kombination brachte Mathias Gidsel indes seine Mannen aus Berlin wieder in Front (15.). Erneut drehten die Eisenacher aber das Bild auf der Anzeigetafel, die Füchse mussten sich einem Minus zwei stellen. Nach Gidsels Anspiel verkürzte Kreisläufer Max Darj auf 8:9 (21.). Mit wenigen eigenen Torerfolgen, weil oft das Aluminium im Weg war, lag der Deutsche Pokalsieger dann sogar sechs Treffer zurück. Nach sechseinhalb torlosen Minuten brach Matthes Langhoff immerhin einmal den 9:14-Anschluss (28.). Auf ein Signal warteten die mitgereisten Fans allerdings vergebens, der ThSV rannte weiter davon. Auch wenn Freihöfer erneut vom Strich aus erfolgreich war, ging es mit einem 11:16-Rückstand in die Kabine der Werner-Aßmann-Halle.
Mit mehr Dynamik und einem energischen Treffer Langhoffs ging es zurück auf die Platte. Während der Schwung der Berliner jedoch schnell verpuffte, konnte Torhüter Lasse Ludwig fünf Minuten nach dem Seitenwechsel seine erste Parade verzeichnen. Langhoff verkürzte daraufhin per schickem Dreher auf 14:19. Mit einer extrem offensiven Manndeckung eroberten die Füchse zweimal schnell den Ball in der gegnerischen Hälfte und holten ein wenig auf. Im zweiten Spielabschnitt übernahm insbesondere Langhoff mehr Verantwortung, deckte defensiv im Mittelblock und nahm sich einige Offensiv-Abschlüsse – doppelt erfolgreich war der deutsche Nationalspieler in der 41. und 42. Spielminute. Ludwigs Parade ermöglichte es eine Zeigerumdrehung später, dass Tobias Grøndahl sein erstes Tor erzielte. Nach einem Ballgewinn Aitor Ariños brachte Gidsel den Hauptstadt-Club auf 20:22 heran (43.).
Am Ende eines 6:0-Laufs der Füchse glich Langhoff zum 22:22 aus (46.). Ein Grundpfeiler für die Aufholjagd stellte Ludwig dar, der immer wieder zur Stelle war. Dank einer weiteren Parade des ehemaligen Jungfuchses brachte Mijajlo Marsenić die Gäste zehn Minuten vor dem Ende erstmals seit der 16. Minute wieder in Führung. Fabian Wiede spielte den Serben im Tempogegenstoß an. Nach Langhoffs Steal in der offensiven Manndeckung stellte Gidsel erstmals auf Plus zwei für die Füchse (53.). Als Ludwig einen Außenwurf des Ex-Berliners Moritz Ende entschärfte und Gidsel auf 30:27 stellte, bog der Club aus der Hauptstadt fünf Minuten vor dem Schluss auf die Siegerstraße ein. Nach 60 Minuten war es ein 32:29-Auswärtssieg in Thüringen.
So geht es weiter
Der Vereinshandball legt in der kommenden Woche eine Pause ein, für einige Profis der Füchse Berlin geht es zu den jeweiligen Nationalmannschaften. Auch in der deutschen Hauptstadt fliegt dabei der Ball: Am Donnerstag, 5. November, steht das DHB-Team um Tim Freihöfer, Matthes Langhoff und Lasse Ludwig ab 20.30 Uhr Belgien in der EM-Quali gegenüber.
Tickets für die Uber Arena sind hier erhältlich. Nach der Länderspielpause sind die Füchse am Mittwoch, 11. November, im DHB-Pokal beim Kooperationspartner 1. VfL Potsdam gefragt (
zu den Tickets in Brandenburg). Am Samstag, 14. November, kommt es in der Opel Handball-Bundesliga derweil zum Kracher mit dem THW Kiel. Anwurf in der heimischen Max-Schmeling-Halle ist um 15.55 Uhr,
die letzten Karten sind hier verfügbar.
Stimmen und Statistiken
Trainer Nicolej Krickau: „Das war ein unfassbar gutes Erlebnis für uns als Mannschaft. Eine wahnsinnig fokussierte Mannschaft, die ich in der Halbzeit gesehen habe. Wir waren sehr klar miteinander, was wir nach der Halbzeit ändern müssen, und dann sind wir rein mit vollem Glauben, dass wir das drehen können. Da hat unsere offensive Abwehr natürlich gut geholfen, das war natürlich der größte Schlüssel. Aber das absolut Wichtigste war heute, dass wir den Charakter der Mannschaft gesehen haben, wie noch nie in dieser Saison. Nach einer Phase, in der nicht alles einfach war, können wir stolz sein und gehen froh in die Nationalmannschafts-Pause.“
Spieler Matthes Langhoff: „Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis. Wir haben eine mäßige erste Halbzeit gespielt, mit sieben hinten liegend. In Eisenach ist es wirklich hart. Ich glaube, es gibt nicht viele Mannschaften, die es schaffen, hier so zurückzukommen. Von daher bin ich enorm stolz, dass wir die Energie und die Emotionen auf die Platte gebracht haben und dann Stück für Stück, Tor für Tor, das Spiel drehen konnten.“
ThSV Eisenach: Spikic (6 Paraden), Grupe (2); Scholtes (1), Attenhofer (1), Walz (2), Móré (3), Ende (2), Aellen (10/3), Solak (2), Antonijevic (1), Seitz (7), Kurch, Schneibel, Montebovi, Leu.
Füchse Berlin: Ludwig (7 Paraden), Palicka (4); Wiede, Darj (1), Prantner, Simak, Ariño, Grøndahl (4/1), Gidsel (12), Freihöfer (5/3), Langhoff (7), Zaepfel (1), av Teigum (1), Marsenić (1).