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14.10.2008|Spielbericht|RM - handball-world.com

Füchse mit der befürchteten Niederlage in Kiel

Nach dem überraschenden Punktgewinn beim HSV Hamburg am vergangenen Mittwoch wurden die Füchse nicht müde zu wiederholen, dass es beim amtierenden Deutschen Meister THW Kiel ungleich schwerer werden würde. Nur knapp 15 Minuten konnten die Berliner dann im hohen Norden den Anschluss halten, bereits zur Halbzeit führten die Gastgeber mit 19:12. Am Ende unterlagen die Füchse 29:38 und konnten dank des Schlusstreffers von Michal Kubisztal den Rückstand wenigstens einstellig halten. Petr Stochl konnte sich im Vergleich zur Vorwoche steigern, auf dem Feld waren wie bereits in Hamburg Kreisläufer Rico Göde und Rückraumspieler Mark Bult mit jeweils fünf Treffern die positiven Überraschungen.

Wieder an Bord hatten die Füchse ihren norwegischen Spielmacher Kjetil Strand, "aber wir mussten Markus Richwien zuhause lassen, der hat sich leider eine Infektion geholt", erläuterte Trainer Jörn-Uwe Lommel dagegen den Ausfall des Rechtsaußen. Im Vergleich der beiden Spiele gegen die Meisterschaftsanwärter Hamburg und Kiel sah Lommel vor dem Spiel dann den heutigen Gegner im Vorteil: "Über das Potenzial von Hamburg muss man nicht sprechen, aber Kiel ist offensichtlich zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Verfassung. Das wird ungleich schwieriger für uns", erwartete der 50-jährige eine schwierige Partie.

Sein Kieler Kollege Alfred Gislason bewies sich derweil in höflicher Zurückhaltung und spielte nochmals auf das Berliner 34:34 in Hamburg an. "Natürlich ist es möglich hier unentschieden zu spielen, natürlich ist es auch möglich hier zu gewinnen" machte er dem Gegner Hoffnung auch in der Kieler Sparkassen-Arena zu punkten. "Wir müssen unsere Chance suchen und dann haben wir gute Möglichkeiten heute zu gewinnen" kokettierte er mit der unbestrittenen Favoritenrolle des THW. "Natürlich sind wir nicht chancenlos hier, aber es geht auch darum, was der THW zulässt", sah Lommel für die Gäste nur eine theoretische Chance.

Das Spiel selbst war dann nicht halb so interessant wie die vorherige Zurückhaltung der Trainer, denn nur bis Mitte des ersten Durchgangs blieb das Spiel offen. Zunächst glänzten auf beiden Seiten die Torhüter, mehrfach wechselten sich Petr Stochl und der Olympiasieger Thierry Omeyer mit Paraden ab. Erst zu Beginn der dritten Minute gelang Kim Andersson die 1:0-Führung für den THW, mit einem schnellen Gegenangriff konnte aber Bartlomiej Jaszka für die Füchse ausgleichen. Dann zog der THW auf 4:1 davon, allen voran Nikola Karabatic, der durch seine Ellbogenverletzung sichtlich angeschlagen war und dennoch 29 Minuten in der ersten Halbzeit spielte.

Zu diesem frühen Zeitpunkt der Partie konnten die Füchse dann noch Gegenwehr leisten. Vor allem Neuzugang Rico Göde ist immer besser ins Team integriert und setzt seine Größe von 2,07 Metern gekonnt ein. Immer wieder pflückte er die hohen Anspiele seiner Teamkameraden aus der Luft und überraschte dann Thierry Omeyer, so auch zum Anschluss beim 3:4 und darauf beim Ausgleich. Wieder versuchten die Hausherren über 7:4 zu enteilen, doch Jaszka und Rivera brachten die Füchse auf 6:7 heran. Nach diesem Anschlusstreffer in der 13. Minute verpassten die Hauptstädter dann allerdings den Ausgleich, stattdessen enteilte der THW Kiel mühelos bis zur Pause auf 19:14.

Füchse mit höchster Saisonniederlage, aber einstelliger Tordifferenz

"Man weiß es ja vorher, dass der THW immer wieder in die Kontersituation geht", kommentierte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning den zweiten Teil der ersten Halbzeit und war etwas enttäuscht über das Verhalten seines Teams. "Wir haben einfach nur zugeschaut", hatte er von den tapfer kämpfenden Füchsen etwas mehr Gegenwehr und auch Cleverness erwartet. "Wir können schon noch besser spielen", betonte auch Rückraumspieler Mark Bult, der in der Halbzeitpause treffend die Schwachpunkte analysierte: "Wir müssen unser Rückzugsverhalten verbessern, der THW überläuft uns."

Diese Analyse des ersten Durchgangs konnten die Füchse dann allerdings auf dem Spielfeld nicht umsetzen. Bereits nach fünfeinhalb Minuten im zweiten Durchgang zückte Jörn-Uwe Lommel die grüne Karte und beorderte sein Team zur Auszeit. "Entweder wir spielen sachlich korrekt oder wir verlieren mit 20 Toren", forderte er eine besonnere Spielweise und zeigte die drohenden Konsequenzen auf. Zu diesem Zeitpunkt bereits mit acht Toren in Führung erhöhte der THW den Vorsprung auf bis zu elf Treffer. THW-Coach Alfred Gislasson begann zudem auf allen Positionen zu variieren und brachte unter anderem Christian Zeitz und Andreas Palicka.

Auf beiden Seiten riskierten die Teams nun nicht mehr all zu viel, das Spiel war bereits entschieden. Mit der Schlusssirene gelang dem zuletzt etwas schwächeren Michal Kubisztal der Treffer zum 29:38 aus Sicht der Füchse, die damit eine zweistellige Niederlage verhinderten. Trotzdem mussten die Berliner ihre bislang höchste Saisonniederlage hinnehmen, zu den 29 Treffern in Kiel steuerten Mark Bult und Rico Göde jeweils fünf Tore bei. Die meisten THW-Treffer erzielten Kim Andersson (7) und Christian Zeitz (6). Mit dem 38:29-Sieg hatte der deutsche Meister die Tabellenspitze erklommen und eine gelungene Generalprobe für das Champions League-Spiel am Sonntag in Barcelona abgelegt.




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