In der nicht sehr stark besuchten Polyvalent Hall - Ioan Kunst Ghermanescu hörte man immer wieder Fans der Füchse Berlin Sprechchöre anstimmen. So feierten sie wie im heimischen Fuchsbau auch den Berliner Keeper Dejan Milosavljev mit dem typischen „Milo, Milo, Milo!“. Der Serbe im Tor des Deutschen Meisters hat einen unglaublichen Tag erwischt. Mit sagenhaften 21 Paraden wies er eine Quote von genau 50 Prozent auf. An ihm biss sich die Offensive von Dinamo Bucuresti an diesem 11. Spieltag der Machineseeker EHF Champions League die Zähne aus. Während sein Gegenüber Ionut Iancu mit 13 Paraden zwar auch stark aufspielte, gewann Milosavljev dieses Duell deutlich und ebnete den Weg für das 27:21 (13:12) in Rumänien, welches das Weiterkommen der Gastgeber in die K.o.-Runde unmöglich macht.
Gleichermaßen sind die Deutschen nun nicht mehr von Platz eins oder zwei in der Gruppe A zu verdrängen, nur Aalborg Håndbold kann die Füchse noch überholen. Beide Teams spielen die beiden ersten Plätze aus und sind sicher und direkt im Viertelfinale der Königsklasse. Somit überspringen die Berliner anders als in der Vorsaison eine Runde und können somit zwei Partien im eng getakteten Spielplan aussparen. In Bukarest hat neben Milosavljev auch Welthandballer Mathias Gidsel einen guten Auftritt hingelegt. Mit acht Toren war er der beste Schütze der Begegnung, gefolgt von seinem dänischen Europameister-Kollegen Lasse Andersson, der sechsmal einnetzte. Insgesamt schaffte es der Torhüter-Abwehr-Verbund vor allem in Durchgang zwei, in dem Dinamo lediglich neun Treffer gelang, die offensiven Probleme wettzumachen. Im Angriff bestimmten Ungenauigkeiten das Geschehen des Hauptstadt-Clubs, am Ende klappte dann aber immerhin das Tempospiel.
Der Weg zum vorzeitigen Einzug in das Viertelfinale
Die erste erfolgreiche Aktion des Spiels ging auf das Konto von Dejan Milosavljev, der den Wurf von Daniel Stanciuc entschärfte. Dinamo Bucuresti ging aber dennoch durch Andrei Buzle mit 1:0 in Führung. Mathias Gidsel hatte für die Füchse Berlin die schnelle Antwort. Weil dann sein Torhüter wieder zur Stelle war, konnte Leo Prantner die erste Führung für die Gäste aus Deutschland herstellen. Während Milosavljev dann fast fünf Minuten ohne Gegentor blieb, konnten seine Vordermänner aber nur einen eigenen Treffer forcieren, sodass es eine enge Anfangsphase blieb. Der Ausgleich für die Rumänen blieb aufgrund eines Abspielfehlers jedoch aus, sodass Gidsel stattdessen auf Plus zwei stellen konnte (9.). Doch als den Füchsen ebenfalls ein technischer Fehler unterlief und das eigene Tor verwaist war, glich Bukarest zum 5:5 aus (11.). Infolgedessen absolvierte Dinamo jedoch zwei Angriffe ohne Erfolg, nur einen konnte Lasse Andersson nutzen. Wiederholende Ungenauigkeiten der Berliner ließen die Gastgeber im Spiel. Beim Stand von 8:8 nahm Füchse-Trainer Nicolej Krickau unzufrieden die erste Auszeit.
In der Phase danach konnte aber Bukarests Keeper Ionut Iancu auftrumpfen und nahm Würfe von Max Darj und Prantner weg. Dennoch gingen die Rumänen nach knapp 20 Minuten nicht in Führung. Stattdessen spielte Aitor Ariño einen cleveren Ball auf Darj, und Milosavljev ließ wieder eine Parade folgen. Einen erneuten Füchse-Fehler später glichen die Hausherren allerdings wieder aus, Tom Pelayo sorgte dann für das 10:9. Gidsel hatte einmal mehr die Antwort parat, doch in einer zwar umkämpften ersten Halbzeit, fehlte derweil die Zielstrebigkeit und das richtige Tempo. Defensiv tat sich der Hauptstadt-Club mit den langwierigen Angriffen Dinamos schwer, während Milosavljev Schlimmeres verhinderte. Seine nächste Parade und das Tempospiel über Andersson und Darj brachten zwei Minuten vor der Pause derweil die Berliner Führung zurück. Mit Plus eins ging es dann auch in die Kabine, Halbzeitstand 13:12 für die Deutschen.
Gidsel traf nach dem Seitenwechsel nur das Gebälk. Weil Bukarest jedoch ohne Abschluss blieb, markierte Tobias Grøndahl den ersten Treffer im zweiten Durchgang. Mehrmals scheiterten die Füchse dann in einem weiterhin zähen Spiel daran, die Drei-Tore-Führung herzustellen. Weil die Rumänen aber offensiv ebenfalls ihre Defizite aufzeigten, konnte Matthes Langhoff in der 40. Minute endlich das 17:14 erzielen. Nach schöner Vorbereitung Gidsels machte es der Rechtshänder über die ungewohnte halbrechte Seite. Milosavljevs Parade und Anderssons Tempogegenstoßtreffer machten daraus Plus vier. Des Weiteren konnte der Serbe zwischen den Berliner Pfosten auch noch einen Siebenmeter entschärfen, doch sein Team schaffte es nicht, einen komfortablen Abstand herzustellen.
Großen Anteil daran hatte auch Dinamo-Torhüter Iancu, der wie Milosavljev eine starke Partie zeigte. Artistisch sprang Langhoff achteinhalb Minuten vor dem Spielende nach einem Fehlwurf doch noch in den Kreis und brachte das Spielgerät regelkonform in die Maschen. Nils Lichtlein erhöhte wenig später sogar auf Plus sieben. Das 25:18 in der 53. Minute war die Vorentscheidung. So kam auch der ehemalige FUX2-Kapitän Lauro Pichiri zu Einsatzminuten in der Königsklasse. Den Schlusspunkt setzte Lichtlein mit einem wuchtigen Abschluss zum 27:21-Endstand.
So geht es weiter
Am morgigen Freitag geht es für den Füchse-Tross derweil nicht zurück nach Berlin, sondern nach Düsseldorf. Dort steht an diesem Sonntag, 22. Februar, das Auswärtsspiel am 22. Spieltag der DAIKIN Handball-Bundesliga beim Bergischen HC an. Darauf folgt eine Doppel-Heimspiel-Woche für den Deutschen Meister. Am Donnerstag, 26. Februar, gastiert Industria Kielce in der Machineseeker EHF Champions League ab 18.45 Uhr in der Max-Schmeling-Halle. An selber Stelle heißt der HBL-Gegner am Sonntag, 1. März, von 18 Uhr an Rhein-Neckar Löwen. Für beide Spiele sind
im Ticketshop noch Karten erhältlich.
Stimmen und Statistiken
Trainer Nicolej Krickau: „Das Wichtigste heute war der Sieg, die zwei Punkte und der damit verbundene Einzug in das Viertelfinale. Die beiden Teams hatten unterschiedliche Taktiken: Wir wollten das Tempo hochhalten, Dinamo wollte es langsam gestalten. Für die Zuschauer war es kein ansehnliches Spiel, aber am Ende haben wir das bekommen, was wir wollten. Unsere Abwehr mit Dejan Milosavljev war gut, ansonsten hatten wir zu viele Fehler drin. Schlussendlich geht es aber nur um die Punkte.“
Kreisläufer Lukas Herburger: „Es war ein wichtiger Sieg für uns. Wir kamen mit dem Ziel hier her, das Viertelfinale zu erreichen. Das ist uns gelungen. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und Dejans Paraden haben uns natürlich sehr geholfen. Die gute Abwehr gepaart mit einem starken Torhüter und später dem Tempospiel waren die Schlüssel zum Sieg heute.“
Dinamo Bucuresti: Iancu (13 Paraden), Bellahcene; Vujovic (5), Nistor (2/2), Dedu (3), Buzle (1), Ladefoged Blazejewicz (1), Veitia Valdés (1), Negru, Pascual Garcia (1), Inoue Langaro (3), Stanciuc (1), Akimenko (2/1), Pelayo (1), Lumbroso, Militaru.
Füchse Berlin: Ludwig, Milosavljev (21 Paraden); Darj (2), Prantner (2), Andersson (6), Ariño (1), Grøndahl (2/1), Lichtlein (3), Gidsel (8), Freihöfer, Pichiri, Langhoff (3), Herburger, av Teigum, Marsenić.