Dylan Nahi deckte Mathias Gidsel in der gegnerischen Hälfte, die Füchse Berlin verteidigten gegen Industria Kielce ebenfalls zeitweise in Manndeckung: Diese Partie hatte es zumindest in der Intensität und Kuriosität einiges zu bieten. Dazu gehörten auch eine Finte des Welthandballers inklusive anschließendem Treffer sowie eine Siebenmeter-Parade von Lasse Ludwig. Der deutsche Torhüter der Gastgeber zeigte eine reife Leistung nach seiner Einwechslung. Auch Dejan Milosavljev, der ab der kommenden Saison für den heutigen Gegner aufläuft, konnte Wirkungsparaden setzen.
Insgesamt war es ein beherzter Auftritt der Füchse am 12. Spieltag der Machineseeker EHF Champions League, doch die Punkte nahm Kielce mit nach Polen. Das 31:33 (13:15) war die erste Königsklassen-Niederlage auf heimischen Grund dieser Saison, und das vor fast ausverkauftem Fuchsbau. 8611 Zuschauer kamen in die Max-Schmeling-Halle, und sahen zehn Tore Gidsels sowie neun von Siebenmeter-Schütze Tobias Grøndahl. Außerdem war es Spiel eins, nachdem das Team aus der Haupstadt vergangene Woche das Viertelfinal-Ticket buchte.
So verliefen die 60 Minuten
Nach 34 Sekunden ließ Nils Lichtlein für die Füchse Berlin erstmals das Netz zappeln. Zwar parierte Dejan Milosavljev den ersten Abschluss von Industria Kielce, doch seine Vordermänner scheiterten ebenfalls, sodass die Gäste aus Polen ausgleichen konnten. Szymon Sicko hatte getroffen, Théo Monar drehte den Spielstand auf 2:1 (4.). Auch im weiteren Verlauf hatte Kielce einen guten Start, doch die Hausherren konnten nach siebeneinhalb Minuten nach einer schönen Finte durch Mathias Gidsel zum 3:3 ausgleichen. Doch dann erwischten die Füchse wieder eine schwache Phase im Angriff, sodass die Kontrahenten auf 6:3 aufdrehten. Weil Milosavljev gegen seinen künftigen Arbeitgeber – ab Sommer steht der Serbe im Industria-Tor – parierte und Gidsel einmal per Dreher unter Kontakt sowie einmal im Tempogegenstoß einnetzte, stand es wieder Pari-Pari.
Kurz nach der Viertelstundenmarke verwandelte Tobias Grøndahl einen Siebenmeter zum 7:7, der zweite Sommer-Neuzugang Aitor Ariño glänzte dann mit einem Steal und belohnte sich auf das leere Tor mit seinem ersten Treffer, die Berliner führten in der heimischen, fast ausverkauften Max-Schmeling-Halle wieder. Einige Angriffe gestalteten sich dann kurios: Weil Kielces Dylan Nahi den Welthandballer Mathias Gidsel manndeckte, blieb dieser einfach in der eigenen Hälfte. Insgesamt hatte es der Hauptstadt-Club allerdings schwer, konnte die gegnerische Abwehr nicht oft genug knacken und haderte mit den Entscheidungen der Unparteiischen. So ging es mit einem 13:15-Rückstand in die Pausenkabine, den vielen mitgereisten polnischen gefiel dies natürlich.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb es unglücklich für die Berliner. Sicko traf zweimal, während die Hausherren in Person von Lasse Andersson ohne Erfolg blieben. Doch wieder versuchten sie weiter alles, kamen durch Grøndahls nächsten Siebenmetertreffer auf Minus zwei heran, 18:20 (38.). Während sich Lichtlein weiter treffsicher zeigte, kam Lasse Ludwig zwischen die Pfosten. Seine Parade (41.) konnte die Offensive allerdings nicht nutzen. Dies passierte wenig später erneut. Momente, in denen der Anschluss nahelag, gelang es nicht. Mijajlo Marsenić traf immerhin zum 22:25 (45.). Trainer Nicolej Krickau ließ seine Schützlinge dann in kompletter Manndeckung verteidigen – und Kielce hatte seine Probleme damit. Eine Ludwig-Parade sowie Tore von Leo Prantner, Andersson und Gidsel stellten auf 25:25, Gleichstand 13 Minuten vor dem Spielende.
Weil wieder der deutsche Keeper zur Stelle war, gingen die Füchse durch Gidsels zehnten Treffer sogar in Führung. Es bahnte sich eine atemberaubende Schlussphase an. Nach einem unerfolgreichen Angriff der Füchse behielt Ludwig im Siebenmeter-Duell die Oberhand, und Grøndahl machte es auf der anderen Seite vom Strich aus besser (55.). Doch am Ende sollte Kielce das bessere Ende für sich finden: die Füchse verloren zum ersten Mal ein Heimspiel dieser Saison in der Machineseeker EHF Champions League, 31:33 lautete der Endstand.
Nur dreimal schlafen bis zum nächsten Heimspiel
Füchse-Fans müssen derweil nur dreimal schlafen, bis es wieder in die Max-Schmeling-Halle geht. Dann steht der 23. Spieltag der DAIKIN Handball-Bundesliga an. An diesem Sonntag, 1. März, gastieren ab 18 Uhr die Rhein-Neckar Löwen im Fuchsbau. Die
letzten Tickets sind hier erhältlich, ein ähnliches Spektakel wie an diesem Donnerstagabend wird erwartet.
Stimmen und Statistik
Trainer Nicolej Krickau: „Wir wollten ein Spiel mit hoher Intensität und mit der Möglichkeit, uns zu verbessern: Das haben wir bekommen. Kielce war überragend und das war ein Spiel auf sehr hohem Niveau. Wir haben uns aber auch eine Position erarbeitet, heute auch einmal verlieren zu können. Von der Moral und von der Entwicklung her war es eine gute Prüfung. Auch mit dem Fight war ich zufrieden.“
Kreisläufer Mijajlo Marsenić: „Wir sind sehr enttäuscht. Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen, aber unsere Leistung war heute nicht gut genug. Unsere Mentalität hat gepasst, aber ein so erfahrenes Team wie Kielce bestraft unsere Fehler eiskalt. Wir gewinnen und verlieren gemeinsam als Team. In drei Tagen gegen die Rhein-Neckar Löwen können wir eine Reaktion zeigen. Ich bin mir sicher, dass wir viel besser spielen werden.“
Füchse Berlin: Ludwig (8 Paraden), Milosavljev (4); Darj, Prantner (2), Andersson (1), Ariño (2), Grøndahl (9/7), Lichtlein (5), Gidsel (10), Freihöfer, Pichiri, Langhoff, Herburger, av Teigum, Marsenić (2).
Industria Kielce: Cordalija (1 Parade), Ferlin (9); Olejniczak (3), Sicko (6), Alex Dujshebaev (4), Kounkoud (2), Maqueda Peno (1), Moryto (1), Daniel Dujshebaev (4), Latosinski, Karalek (2), Vlah (2), Rogulski, Monar (3), Jarosiewicz (3/3), Nahi (2).