Zwischenzeitlich führte der Deutsche Meister und Pokalsieger in Ungarn bereits mit fünf Toren, auch der Halbzeitstand stimmte die Anhänger positiv. Weil allerdings der gegnerische Torhüter Mikael Appelgren immer besser in die Partie fand, müssen die Füchse Berlin im Viertelfinal-Rückspiel der Machineseeker EHF Champions League einen kleinen Rückstand aufholen. Zwar wäre ein komfortables Polster möglich gewesen, doch am Ende drehte One Veszprém HC in der heimischen und hitzigen One Veszprem Arena auf. Beim Stand von 34:35 (20:17) aus Sicht der Deutschen ertönte die Schlusssirene, kurz nach dem der kalt von der Bank kommende Tim Freihöfer per Siebenmeter vollstreckte.
Als bester Werfer ging einmal mehr der Welthandballer Mathias Gidsel hervor. Mit seinen 13 Treffern zeigte der Däne auf internationalem Parkett wieder seine Klasse, während auch seine Rückraum-Kollegen Nils Lichtlein und Lasse Andersson im Zusammenspiel sowie in Einzelaktionen überzeugten. Elf Paraden von Füchse-Schlussmann Dejan Milosavljev waren zwar am Ende auf dem Konto, zu oft hatten die Ungarn aber mit dem offensiven Sieben-gegen-Sechs Lösungen gegen die Berliner Abwehr parat. Trotz eines verpassten hohen Vorsprungs, haben die Füchse im Rückspiel noch alle Chancen, das eine Tor aufzuholen und in das TruckScout24 EHF FINAL4 einzuziehen. Das zweite Duell mit Veszprém steigt am Mittwoch, 6. Mai, ab 18.45 Uhr in der Max-Schmeling-Halle (Tickets).
So verlief das Viertelfinal-Hinspiel
Nach gut einer Minute zappelte das Netz erstmals, Tobias Grøndahl vollendete per Siebenmeter zum 1:0 für die Füchse Berlin. Auf der anderen Seite fand Yanis Lenne den Weg zum ersten Torerfolg von One Veszprém HC. Nils Lichtlein legte derweil für den deutschen Meister und Pokalsieger nach, wie auch der Welthandballer Mathias Gidsel. Beide stellten auf Plus eins, Letzterer erhöhte sogar auf 4:2 (5.), nachdem die ungarischen Hausherren an der Füchse-Defensive scheiterten. Auf Dejan Milosavljevs erste Parade folgend, vollendete Hákun West av Teigum auch den sechsten Berliner Angriff erfolgreich. Nachdem erstmals ein Abschluss in Form eines Grøndahl-Fehlwurfs vom Strich vorbeiging, konnte Veszprém ausgleichen, 6:6 (10.). Lasse Andersson bestrafte dann aber kurz darauf einen schlechten Angriff der Gastgeber mit einem wuchtigen Treffer zum 9:7. Den nächsten Ausgleich verhinderte immerhin Milosavljev, sehenswert spielte Andersson av Teigum nach einer knappen Viertelstunde an, der wiederum erneut auf Plus zwei stellte.
Bitter für die Deutschen: Nachdem sie die Chance, auf drei Treffer davonzuziehen, ungenutzt ließen, verließ sie auch das Wurfglück für kurze Zeit, sodass die Ungarn auf 13:13 stellen konnten (20.). Andersson brachte blitzschnell allerdings die Antwort, erhöhte nach einem Veszprém-Fehlwurf sogar auf 15:13. Weil die Gastgeber den Torhüter im Angriff für einen siebten Feldspieler aus dem Gehäuse nahmen, hatte Nejc Cehte nach einem defensiven Ballgewinn leichtes Spiel. Wenig später erhöhte Gidsel auf 17:13 (23.). Drei Minuten vor der Halbzeit tankte sich der dänische Linkshänder erneut durch, ehe Lichtlein Mijajlo Marsenić an den Kreis anspielte – der Serbe verwandelte. Weil Andersson noch einen Treffer hinterherlegte, ging es mit einer 20:17-Führung für die Hauptstädter aus der Bundesrepublik in die Kabine.
Aus jener kamen die Füchse schleppend, vier Minuten lang blieben sie ohne Tor, ehe Gidsel vollendete. Bis dahin hatten Luka Cindrić und Dragan Pechmalbec Veszprém auf einen Treffer herangebracht. Doch das Momentum kippte wieder auf die Berliner Seite, die durch Tore der Rückraum-Reihe um Gidsel, Lichtlein und Andersson auf 23:19 entwischen konnten (37.). Nach einem Andersson-Steal und einer Milosavljev-Parade stellte Ersterer erstmals auf Plus fünf – 25:20 (40.). Davonziehen konnten die Gäste allerdings nicht, Heim-Torhüter Mikael Appelgren hatte mit deutlich mehr Paraden in Durchgang zwei großen Anteil daran, dass Veszprém auf ein Tor herankam (47.). Zehn Minuten vor dem Spielende glich das Team von Trainer Xavier Pascual durch Lenne allerdings aus.
Seit dem Anbruch der Schlussviertelstunde fehlte dem Team von Coach Nicolej Krickau wiederum der Flow, sodass sie sich den Ausgleich einfingen. Die Aufholjagd der Lokalmatadoren heizte die One Veszprem Arena noch einmal an, so auch ihre erste Führung, 30:29 durch den starken Stefan Dodić (53.). Beim Stand 30:30 war mal wieder Milosavljev zur Stelle, und Lichtlein holte mit Tempo die Führung zurück in Berliner Hände. Auch Gidsel drehte in seiner unnachahmbaren Weise in der Crunchtime ebenfalls auf. Dennoch konnten die Füchse dem Druck nicht standhalten und verloren das Hinspiel mit 34:35. Tim Freihöfer beföderte den letzten Siebenmeter an die Unterkante der Querlatte und über die Linie, somit geht es mit einem Ein-Tor-Rückstand in die zweite Partie gegen Veszprém. Das ist durchaus machbar, umzudrehen, vor allem mit der lautstarken Unterstützung des Fuchsbaus.
Das Rückspiel steigt bald in Berlin
Aus belastungstechnischen Gründen wurde die Partie der Füchse Berlin beim ThSV Eisenach, das an diesem Wochenende in der DAIKIN Handball-Bundesliga hätte stattfinden sollen, verschoben. Es steigt nun am Freitag, 29. Mai, ab 20 Uhr in Thüringen. So kommt es im nächsten Pflichtspiel des Deutschen Meisters und Pokalsiegers direkt zum Wiedersehen mit den Ungarn. Am kommenden Mittwoch, 6. Mai, steht das Rückspiel im Viertelfinale der Machineseeker EHF Champions League an. One Veszprém HC ist ab 18.45 Uhr zu Gast in der Max-Schmeling-Halle,
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Stimmen und Statistiken
Trainer Nicolej Krickau: „Wie wahrscheinlich alle anderen auch habe ich ein tolles Spiel gesehen zwischen zwei guten Mannschaften, die auf einem hohen Level agiert haben. Mit Ball war es auf beiden Seiten meistens stark. Das Sieben-gegen-Sechs von Veszprém hat heute den Unterschied gemacht. Wir hätten die Führung sicherlich besser verteidigen müssen, aber wir konnten auch nicht erwarten, dass Mikael Appelgren weniger pariert in diesen Situationen. Ich bin stolz, Teil eines tollen Produkts des Handballs zu sein und wir freuen uns, Veszprém nächste Woche zu empfangen. Wir erwarten ein ähnlich enges Spiel.“
Kapitän Max Darj: „Das war ein tolles Spiel heute. Es war eine wahnsinnige Erfahrung, in dieser Arena ein Viertelfinale zu spielen, wobei es sehr hitzig wurde von den Rängen. Beide Teams können auf positive wie auch negative Aspekte schauen. Wenn wir mit fünf Toren führen, hätten wir cleverer sein können. Die Cleverness war aber auf der Veszprém-Seite heute, sie haben sehr gut gespielt. Wir konnten das Sieben-gegen-Sechs nicht stoppen in der zweiten Hälfte. Ich freue mich auf nächste Woche.“
One Veszprém HC: Appelgren (12 Paraden), Corrales (1); Gonçalves dos Santos, Martinović (8), Descat (8/4), Hesham (2), Elisson, Ligetvári, Marguc, Cindrić (1), Lenne (5), Elderaa (1), Dodić (4), Pechmalbec (5), Mesilhy (1), Zeinelabedin Ali.
Füchse Berlin: Ludwig, Milosavljev (11 Paraden); Darj, Prantner, Andersson (8), Ariño, Grøndahl (2/2), Lichtlein (5), Gidsel (13), Freihöfer (1/1), Cehte (1), Pichiri, Langhoff, Herburger, av Teigum (3), Marsenić (1).