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20.05.2008|Information|tagesspiegel vom 19.05.2008

"Das zweite Erstligajahr ist das Schwerste"

Florian Kehrmann, Handball-Weltmeister, spricht im Tagesspiegel-Interview über Berlin und die Füchse.

Innerhalb von acht Tagen spielen Sie zum zweiten Mal in Berlin, mit Lust oder Frust?
Eindeutig das Erste ist der Fall. Wenn ich nur an das WM-Eröffnungsspiel im vorigen Jahr denke, da hatten wir eine tolle Handball-Stimmung. Die erwarte ich jetzt auch wieder beim All Star Game.
Aber mit Lemgo haben Sie am vergangenen Sonntag gegen den Aufsteiger Füchse Berlin verloren, nervt Sie das nicht?
Schon, aber das ändert doch nicht meine Meinung über Berlin, wo auch meine Schwester lebt. Als Nationalspieler merkt man schon, dass die Leute uns für das WM-Erlebnis immer noch danken.
Der Unterschied zum Januar 2007 ist, dass Berlin mittlerweile einen Erstligisten hat, der seine erste Saison auf Platz zwölf beendet hat. Haben Sie das erwartet?
Ja, schon. Die Füchse haben sich sehr gut entwickelt, und es ist sehr gut für uns alle, dass es in der Stadt wieder einen Erstligisten gibt.
Warum?
Die Stimmung in einer großen und vollen Halle mit begeisterungsfähigen Fans ist eins. Darüber hinaus lebt die Liga von größerer medialer Aufmerksamkeit, Spannung und zusätzlichen Vermarktungschancen.
Bob Hanning, der maßgeblichen Anteil am Füchse-Projekt hat, war vor Jahren in Essen Ihr Trainer. Was haben Sie ihm zu verdanken?
Ich war sicherlich ein Talent, aber Bob hat die Gabe, einem jungen Sportler die Ernsthaftigkeit des Leistungssports zu vermitteln.
Was imponiert Ihnen an den Füchsen besonders?
So wie ich das verfolgt habe, ist das Ganze nicht auf einen kurzfristigen Erfolg ausgelegt. Ich finde es sehr gut, dass es vom Nachwuchs bis zu den Männern durchgängig eine Entwicklung gibt.
In Berlin träumt man bereits vom Europacup, spätestens in drei Jahren …
Das Ziel ist richtig, aber Vorsicht! Man sagt ja nicht umsonst, dass die zweite Erstligasaison die Schwerste ist. Erst wer daraus gestärkt hervorgeht, ist etabliert.
Ihr direkter Gegenspieler in den Spielen gegen Berlin war Konrad Wilczynski, der neue Bundesliga-Torschützenkönig. Wie haben Sie ihn erlebt?
Ich hatte ja schon dreimal mit der Nationalmannschaft gegen ihn gespielt. Die Stärke des Österreichers liegt vor allem beim Siebenmeterwurf. Aber auch so kann ich über ihn nur Positives sagen.
Stichwort Nationalmannschaft: Zuletzt hat Bundestrainer Heiner Brand auf ihrer Rechtsaußenposition zweimal Markus Richwien von den Füchsen ausprobiert. Haben Sie Angst um Ihren Stammplatz?
Es gibt auf meiner Position einiges an Konkurrenz. Für einen jungen Mann ist es deshalb schwer, sich durchzusetzen.
Wie haben Sie das einst geschafft?
Ich konnte in Lemgo ständig spielen. Wer das in seinem Verein erreicht – dazu gehört auch Glück –, kann es schaffen.
Das Gespräch führte Hartmut Moheit.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 19.05.2008)


http://www.tagesspiegel.de/sport/Berlin-Sport-Berliner_Fuechse;art134,2533587




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