Jeden dritten Abschluss der gegnerischen Angreifer parierte Dejan Milosavljev an diesem Samstagnachmittag. Der serbische Torhüter der Füchse Berlin erwischte mit 18 Paraden einen überragenden Tag und hatte großen Anteil daran, dass er mit seinem Team am morgigen Sonntag, 19. April (15.45 Uhr), den erst zweiten DHB-Pokal-Triumph der Vereinsgeschichte feiern könnte. Wer dann Gegner im Endspiel des Lidl Final4 ist, steht noch nicht fest. Aktuell duellieren sich der SC Magdeburg und der Bergische HC um das letzte Finalticket. Im ersten Halbfinale hatte der amtierende Deutsche Meister aus der Hauptstadt eben den TBV Lemgo in der Lanxess Arena in Köln mit 39:36 (20:16) bezwungen.
Bei den Feldspielern der Füchse stach Lasse Andersson mit elf Toren als bester Werfer heraus. Welthandballer Mathias Gidsel konnte aber vor allem in der Crunchtime einmal mehr sein Können unter Beweis stellen. Nils Lichtlein glänzte trotz mancher Abspielfehler mit zehn Torbeteiligungen (sechs Tore, vier Assists). Als Andersson eine Schwächephase hatte, sprang Matthes Langhoff auch offensiv mit einem Doppelschlag ein, Tim Freihöfer schüttelte zwei verworfene Siebenmeter ab und Tobias Grøndahl setzte im Sieben-gegen-Sechs seine Akzente. Alles in Allem war es eine aufopfernde Leistung der Berliner gegen eine erneut auf Augenhöhe agierende Lemgoer Mannschaft, die es dem Team von Trainer Nicolej Krickau immens schwermachte.
So verlief das Halbfinale im Detail
Weil der TBV Lemgo Lippe mit dem ersten Angriff der Partie ohne Erfolg blieb, konnte Hákun West av Teigum nach schnellem Umschalten zum 1:0 für die Füchse Berlin treffen. In früher Unterzahl konnten die Ostwestfalen den Spielstand allerdings drehen, ehe die Hauptstädter einen weiteren Treffer nachlegen konnten, Lasse Andersson glich dann zum 2:2 aus (4.). Weil der Torhüter Dejan Milosavljev dann seine erste Parade feierte, brachte Mathias Gidsel die Führung für den Deutschen Meister zurück, doch in der Anfangsphase konnten beide Teams ihre Momente kreieren. Auch in der nächsten Unterzahl blieben die Füchse ordentlich dabei, Nils Lichtlein ließ seinen Gegenspieler mit einem flinken Wackler stehen und vollendete zum 5:5 (9.). Aus einem Minus zwei holten sich die Hauptstädter daraufhin innerhalb von eineinhalb Minuten die Führung zurück. Milosavljev hielt wieder und Andersson sowie Lichtlein netzten auf der anderen Seite ein. Nach einer knappen Viertelstunde parierte der serbische Keeper des Deutschen Meisters, sodass Tobias Grøndahl auf 10:8 stellen konnte.
In Überzahl markierte Gidsel gedankenschnell einen Treffer auf das verwaiste Lemgoer Tor. Vom Siebenmeterstrich konnte auch Tim Freihöfer das Plus zwei wiederherstellen, Grøndahl sogar einen drauflegen. Nach einem Lichtlein-Doppelschlag zierte nach 23 Minuten ein 16:12 die Anzeigetafel in der Lanxess Arena. Trotz verworfenem Siebenmeter blieben die Berliner dran und der deutsche Nationalspieler traf auch zum 18:14. Die Mannen aus dem Lipperland hielten den Rückstand aber möglichst gering, setzten viele Akzente – doch oft war zwischen den Pfosten eben Milosavljev im Weg. Bis zur Halbzeit blieb es bei einer komfortablen Führung. In der 30. Minute markierte Andersson das 20:16 für den Club aus der Hauptstadt. Elf Paraden waren es indes bereits vor dem Seitenwechsel auf dem Konto Milosavljevs.
Der dänische Halblinke eröffnete mit seinem bereits siebten Treffer den zweiten Durchgang, doch auch der TBV hatte die Antwort in Person von Bobby Schagen parat. Während Grøndahl vom Strich aus erfolgreich war, blieb Miliosavljev auf Hochtouren. Eigene Fehler kosteten jedoch die Erhöhung des Vorsprungs. Eine gute Abwehr-Torhüter-Kooperation über mehrere Angriffe Lemgos hintereinander konnten die Füchse verhindern, dass der TBV auf zwei Tore herankam, stattdessen trafen Mijajlo Marsenić und dann auch Andersson wieder, diesmal aus dem Mittelkreis in die leeren Maschen (43.). Dennoch verpassten es die Berliner, den Sack zuzumachen, sodass die Kontrahenten, gegen die es bereits am vergangenen Sonntag in der DAIKIN Handball-Bundesliga ging, 15 Minuten vor dem Schluss doch auf einen Treffer herankamen, 26:27.
In einer hektischen Phase behielt Freihöfer einen kühlen Kopf und erhöhte auf Plus zwei. Der nun auch in der Offensive eingesetzte Matthes Langhoff konnte die nächsten beiden Treffer markieren, doch es blieb ein Spiel auf Messers Schneide. Auch Lichtlein trug sich noch einmal in die Torschützenliste ein, 31:29 (49.). Nach einem Steal Freihöfers erhöhte Gidsel kurz darauf auf 32:29. Zweimal scheiterte Lemgo am Ausgleich, ehe Freihöfer auf 33:31 stellte (54.). Zum Ende blieb der Lucky Punch des TBV aus, und die Berliner meisterten auch die letzten Aktionen, sodass mit dem 39:36-Endstand der Einzug in das Finale des DHB-Pokals sicher war.
Stimmen und Statistiken
Trainer Nicolej Krickau: „Das war eine gute erste Halbzeit von uns, am Ende wird es aber wieder eng. Deswegen sind wir sehr glücklich, den Sieg eingefahren zu haben. Wir sind erstmal super zufrieden mit unserem Sieben-gegen-Sechs, wodurch wir eine kleine Lücke reißen konnten. Lemgos Sieben-gegen-Sechs haben wir wiederum nie richtig in den Griff bekommen. Jetzt freuen wir uns auf morgen. Riesen Respekt an Lemgo, eine super Mannschaft mit toller Mentalität. Ich bin froh, dass wir jetzt nicht mehr gegen Lemgo spielen müssen in dieser Saison.“
Geschäftsführer Bob Hanning: „Nicos Worten schließe ich mich an. Wir hatten in der zweiten Halbzeit die Möglichkeit, das Spiel früher zu schließen. Wir haben gut verteidigt, vorne aber unkonzentrierte Fehler gemacht. Das war zu viel, um ab der 45. Minute vielleicht in Ruhe das Spiel zu Ende zu spielen. Was Florian Kehrmann aus dieser Mannschaft gemacht hat, ist hoch zu bewerten. Es war ein faires und intensives Handballspiel. Das war sicherlich eine Freude für alle Zuschauer bei DYN, der ARD und in der Laxess Arena.“
TBV Lemgo Lippe: Möstl (3 Paraden), Kastelic (5); Hutecek (2), Theilinger, Zehnder (5/3), Simak (7), Schagen (3), Carstensen (2), Nyfjäll (1), Suton (8), Willecke (2), Versteijnen (3), Wagner (3), Faust, Herseklioglu, Kehrmann.
Füchse Berlin: Ludwig, Milosavljev (18 Paraden); Darj, Prantner, Andersson (11), Ariño, Grøndahl (3/1), Lichtlein (6), Gidsel (8), Freihöfer (4/1), Cehte, Pichiri, Langhoff (2), Herburger (1), av Teigum (3), Marsenić (1).