Am Ende lagen alle auf Mathias Gidsel, der den entscheidenden Versuch vom Strich eiskalt verwandelte. Der Welthandballer war nach einem intensiven Handballspiel der gefeierte Held, denn er war mit elf Toren auch der beste Werfer der Partie. Schlussendlich war es ein 35:33, bei dem es nach 60 Minuten 31:30 (17:15) stand. Damit war die 34:35-Niederlage aus dem Hinspiel in Ungarn wettgemacht, doch es ging sofort ins Siebenmeterwerfen – bekanntermaßen mit dem besseren Ende für den Deutschen Meister. Es geht also am 13. und 14. Juni erneut nach Köln. Nach dem Pokalsieg vor zweieinhalb Wochen navigiert das Team aus der Hauptstadt nun auf das TruckScout24 EHF FINAL4 zu.
Dieses Rückspiel im Viertelfinale der Machineseeker EHF Champions League hatte alles zu bieten, was das Sportherz bedarf. Am Ende war es ein wahrer Krimi, davor ein Kampf auf intensivster Stufe. Unendliche Zweikämpfe fanden auf der Platte der Max-Schmeling-Halle statt, die mit 8796 Zuschauern fast ausverkauft war. Doch wie im Hinspiel machten es die Füchse einmal mehr spannend, obwohl sie sich zwischenzeitlich deutliche Führungen herausgespielt hatten. Beide Teams zeigten große Moral, beide Teams hätten den Einzug in das Finalturnier verdient, doch am Ende durften nur die Berliner jubeln.
So liefen die 60 Minuten ab
Mijajlo Marsenić eröffnete den Abend mit seinem Treffer für die Füchse Berlin, doch One Veszprém HC antwortete sofort. Allerdings markierte auch der Hauptstädter Mathias Gidsel schnell seinen Premierentreffer. Weil Dejan Milosavljev mit der ersten Parade zur Stelle war, stellte der Däne auch auf 3:1 (3.). Eine Zeigerumdrehung später erhöhte Hákun West av Teigum mit einem Doppelschlag auf 5:1, weil Milosavljev gleich zwei weitere Male eine Parade auspackte. Nach einem Block Nejc Cehtes und der nächsten Milosavljev-Tat verwandelte Tim Freihöfer seinen Siebenmeter zum 7:3 (9.). Nach einem Tor vom angeschlagenen Lasse Andersson war es wieder der deutsche Nationalspieler vom Strich aus, der den zehnten Treffer machte, während die ungarischen Gäste erst bei fünf standen. Etwa mit der Viertelstunden-Marke kam bei Letzteren jedoch ein Aufschwung, die Füchse konnten trotz der Chance nicht auf sechs Tore davonziehen.
Veszpréms Alptraum wurde des Öfteren weiterhin Milosvaljev, dessen Vordermänner jedoch nicht in jedem Angriff glücklich agierten, auch nicht mit der von Trainer Nicolej Krickau initiierten Variante des Sieben-gegen-Sechs. Weil der Serbe im Füchse-Gehäuse wieder zur Stelle war, überrollte Matthes Langhoff im Gegenstoß die gegnerische Abwehr und netzte zum 13:8 ein (21.). Weil Milosavljev weiter überragend parierte – acht der ersten 16 Gäste-Abschlüsse entschärfte er – konnten Andersson und Freihöfer den Abstand aufrechterhalten. Zeitstrafen gegen die Berliner machten es den Hausherren allerdings schwer, sodass sie beispielsweise kurz vor der Pause zwei Gegentreffer auf den verwaisten Kasten hinnehmen mussten. Dennoch ging es noch mit einer Führung in die Kabine, immerhin 17:15. Zwar ließ Andersson das Netz noch einmal zappeln, doch der Ball war wohl erst wenige Millisekunden nach der Sirene hinter der Linie.
Bei Anwurf Veszpréms und Fehlwurf der Füchse konnten die Ungarn zwei Minuten nach dem Seitenwechsel ausgleichen, 17:17. Die bestmögliche Antwort gab Tim Freihöfer in Form eines Siebenmetertreffers (34.). Auch Nils Lichtlein brachte kurz darauf die Führung zurück, Andersson den Vorsprung aus der Halbzeit (38.). In einer knirschenden Phase verhinderte Milosavljevs hoher Arm einmal mehr den Einschlag in den Maschen (40.). Nachdem er wieder parat stand, erhöhte Gidsel auf 22:20 (42.). Intensiv kämpften beide Reihen gegeneinander und die Gäste waren immer wieder daran, auszugleichen. Doch die Füchse wehrten sich dagegen, Gidsel stahl das Spielgerät und stellte auf 24:22 (46.).
Mit seinem neunten Treffer des Spiels brach Gidsel den nächsten individuellen Rekord. Es war sein 142. Tor in der laufenden CL-Saison, so viele warf noch niemand vor ihm in einer Spielzeit. Seine darauffolgende Bude resultierte aus einer Milosavljev-Parade, welche Lichtlein blitzschnell aufnahm und auf den Welthandballer passte. Das 27:24 neun Minuten vor dem Ende war von großer Bedeutung. Mit wuchtigen Würfen brachte auch Andersson seine Mannen immer wieder in Front. Milosavljves Siebenmeter-Parade zwei Minuten vor dem Schluss gegen Hugo Descat brachte den fast ausverkauften Fuchsbau endgültig zum Beben. Allerdings blieb der entscheidende Moment aus, da Gidsel im letzten Angriff ein technischer Fehler unterlief. Das 31:30 für die Füchse glich das Hinspiel-Ergebnis aus.
Deshalb ging es ins Siebenmeterwerfen. Dort blieb Dejan Milosavljev zweimal Sieger im Duell, während bei den Füchsen Lichtlein, Freihöfer und Tobias Grøndahl sicher verwandelten. Mit dem letzten Wurf vom Strich hatte der Welthandballer Gidsel die Chance, das Ticket für das TruckScout24 EHF FINAL4 zu lösen, auf der Hand – und er verwandelte. Nicht nur die Mitspieler stürzten sich auf ihn, auch die gesamte Halle rastete aus.
Stimmen und Statistiken
Trainer Nicolej Krickau: „Großer Respekt vor der Mentalität und der Moral, die Veszprém in diesen beiden Spielen gezeigt hat. Wir lagen oft in Führung, aber sie haben sich immer wieder zurück ins Spiel gekämpft. Natürlich sind wir mehr als stolz, denn es ist sehr schwer, nach Köln zu kommen. Am Ende hätte man auch eine Münze werfen können, aber manchmal braucht man eben auch das Quäntchen Glück. Zum Glück war es heute auf unserer Seite. Beide Mannschaften hätten es verdient gehabt, nach Köln zu fahren. Wir sind überglücklich.“
Spieler Mathias Gidsel: „Nachdem ich die letzte Situation im Spiel vermasselt hatte, musste ich etwas für die Mannschaft tun. Es war also ein entscheidender Siebenmeter. Diese beiden Spiele waren eine großartige Werbung für den Handball. Veszprém ist eine unglaubliche Mannschaft, die uns jedes Mal herausfordert. Beide Mannschaften hätten es verdient, nach Köln zu fahren. Ich bin aber stolz darauf, dass wir weiterkommen sind und Teil dieser beiden Spiele gewesen zu sein.“
Füchse Berlin: Ludwig, Milosavljev (12 Paraden); Darj, Prantner, Andersson (6), Ariño, Grøndahl (2/2), Lichtlein (3/1), Gidsel (11/1), Freihöfer (8/7), Cehte, Pichiri, Langhoff (1), Herburger, av Teigum (2), Marsenić (2).
One Veszprém HC: Appelgren (7 Paraden), Corrales (5); Gonçalves dos Santos, Martinović(4), Descat (7/3), Hesham (8/1), Elisson (1/1), Ligetvári, Cindrić (2), Remili, Lenne (6), Elderaa (2), Dodić, Pechmalbec (1), Mesilhy (1), Zeinelabedin Ali (1).