Nachdem bereits am gestrigen Samstag die U17-Akteure beider Vereine im Hinspiel des Finals um die Deutsche Meisterschaft aufeinandertrafen und sich mit einem Unentschieden trennten, konnten am heutigen Sonntag die Profis einen klaren Sieger ermitteln. In der ausverkauften Merkur Ostseehalle sahen die Zuschauer am 31. Spieltag der DAIKIN Handball-Bundesliga ein echtes Handballspektakel, bei welchem das 35:28 (18:16) der Gäste auf der Anzeigetafel deutlicher wirkt, als es der Spielverlauf hergab. Zwar ließen sich die Füchse Berlin im Duell gegen den THW Kiel die Führung kein einziges Mal aus der Hand nehmen, trotzdem zierte noch in der 49. Spielminute ein 25:25 die Anzeigetafel. Ein 7:1-Lauf zugunsten der Hauptstädter sorgte daraufhin für einen überaus erfreulichen Auswärtserfolg gegen die Norddeutschen.
Auf dem Spielfeld konnte Chefcoach Nicolej Krickau auf alle seiner eingesetzten Spieler setzen. Dabei verteilten sich die 35 geworfenen Tore auf einige der Berliner Athleten. Bester Werfer des Aufeinandertreffens war Mathias Gidsel mit acht Treffern. Doch auch Tim Freihöfer zeigte sich mit einer hundertprozentigen Wurfquote in einer hervorragenden Verfassung – netzte den Ball insgesamt einmal vom Siebenmeterstrich sowie sechsmal aus dem Spiel heraus ins Tor ein. Außerdem glänzten Nils Lichtlein sowie Hákun West av Teigum mit ihren jeweils sechs erfolgreichen Abschlüssen. Ein weiteres Mal ein elementar wichtiger Rückhalt war Dejan Milosavljev. Der Serbe parierte 15 Würfe der Kieler, was nach dem Spielende für eine 35-prozentige Quote gehaltener Bälle sorgte. Alle Statistiken zusammengerechnet stellten einen beeindruckenden mannschaftlichen Auswärtserfolg sicher.
Die 60 Minuten im Überblick
Die erste Aktion der Partie gehörte Mathias Gidsel, der nach 41 Sekunden den Treffer Nummer eins markierte. Genau zwei Minuten waren vergangen, als Tim Freihöfer daraufhin den Ball vom Siebenmeterstrich im Tor unterbrachte. Die Kugel in der Defensive fing Nils Lichtlein ab, woraufhin Hákun West av Teigum per Tempogegenstoß zum 3:1 marschierte. Nach einer Parade von Dejan Milosavljev kam das Team von Trainer Nicolej Krickau erneut ins Tempo, das Mijajlo Marsenić ausnutzte und zur ersten Drei-Tore-Führung traf. Auch Kapitän Max Darj trug sich rasch in die Torschützenliste ein und vollendete zum 6:4 (8.). Ein erstes größeres Ausrufezeichen kam in derselben Spielminute von Milosavljev, der einen freien Konter des Kielers Bence Imre parieren konnte. In der zweiten Welle war es Lichtlein, der die Lücke in der Zebra-Abwehr erkannte und sehenswert per Dreher zum 10:8 aus Sicht der Füchse Berlin traf (14.).
Das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhüter harmonierte immer wieder in der ersten Viertelstunde, sodass nach einem weiteren Ballgewinn der dreifache Welthandballer zum 12:8 traf (17.). Eine 93-prozentige Wurfquote unterstrich zu diesem Zeitpunkt die Berliner Effizienz im Angriff. Zum Teil leichte Ballverluste sorgten jedoch dafür, dass sich die Hauptstädter noch nicht entscheidend absetzen konnten. Eine doppelte Unterzahl war der Grund dafür, dass in der eigenen Deckung größere Lücken aufkamen, welche Tim Freihöfer durch seinen Treffer zum 15:13 retuschierte (22.). Derweil war es erneut der serbische Torhüter, der den Schwarz-Weißen Angriff durch eine weitere Parade vermieste. Dasselbe tat Milosavljev zwei Minuten später einmal mehr, sodass dieser fünf Minuten vor der Pause bereits sieben gehaltene Bälle auf seinem Konto nachweisen konnte. Kurz vor dem Ertönen der Halbzeitsirene gelang es dem Hauptstadt-Club, die letzte Aktion der ersten Hälfte auf den Punkt genau zu spielen, sodass es dank av Teigum mit einem 18:16 in die Kabine ging.
Im zweiten Durchgang begann Milosavljev ähnlich stark wie in Halbzeit Nummer eins. Der serbische Nationaltorhüter parierte direkt den ersten Wurf auf sein Gehäuse. Mit Freihöfer und Lichtlein waren es zwei ehemalige Jungfüchse, die die ersten zwei Tore nach der Pause markierten. Mit einem sensationellen Spin-Move brachte Gidsel danach die Kugel zum 21:18 im Tor unter (37.). Perfekt aus der Umkleide kam Lichtlein. Der Spielmacher des amtierenden Deutschen Meisters und Pokalsiegers zwang THW-Coach Fílip Jicha nach einem erneuten Treffer zu dessen zweiten Auszeit. Nach dem Kieler Timeout stand erneut Milovsavljev als Spielverderber zwischen den Pfosten, nahm den Hausherren den nächsten freien Wurf von sechs Metern weg. Den weiten Weg vom linken zum rechten Rückraum wählte wenig später Lasse Andersson zum 23:21 (42.). Nach der erneuten Rettungstat Milosavljevs war es av Teigum, der kühlen Kopf bewahrte und das Spielgerät an Andreas Wolff vorbeihob. In seinem fünften Versuch und gleichzeitig mit seinem fünften Treffer läutete Freihöfer die letzte Viertelstunde ein.
Eine Antwort auf den Ausgleichstreffer fand Lichtlein, der die Berliner durch das 26:25 wieder in Führung brachte. Die Möglichkeit auf den erneuten Ausgleich vermasselte Milovsaljev dem deutschen Rekordmeister durch seine erste Siebenmeter-Parade. Ein wahnsinnig spitzer Winkel hinderte av Teigum im Zuge dessen nicht daran, die Kugel von Rechtsaußen ins Gehäuse unterzubringen. Den 4:0-Lauf zum 29:25 perfekt machte Freihöfer per doppeltem Tempogegenstoß (52.). Knapp sieben Minuten vor dem Spielende stellte Gidsel seine Wurfqualitäten aus dem Rückraum unter Beweis und sorgte mit dem 31:26 für die erste Fünf-Tore-Führung der Begegnung. Danach erhöhte der Däne mit einem bemerkenswerten Eins-gegen-Eins den Vorsprung um ein weiteres Tor (55.). Kurz vor dem Ertönen der Schlusssirene gestaltete sich das Ergebnis noch deutlich – Marsenić sowie einmal mehr Gidsel netzten den Ball nochmals per Konter ein, sodass zum Abschluss der Begegnung ein 35:28 auf der Anzeigetafel zu erkennen war.
So geht es weiter
In der kommenden Woche geht es für den Großteil der Akteure der Füchse Berlin auf Reisen mit ihrer jeweiligen Nationalmannschaft. Nach der Pause in der DAIKIN Handball-Bundesliga startet die finale Phase der Saison mit einem Heimspiel für die Hauptstädter. Am Donnerstag, 21. Mai, gastiert um 19 Uhr der TSV Hannover-Burgdorf in der Max-Schmeling-Halle.
Tickets für die Begegnung im Fuchsbau sind hier erhältlich. In der laufenden Spielzeit wird es die vorletzte Partie vor der heimischen Kulisse sein.
Stimme und Statistik
Trainer Nicolej Krickau: „In erster Linie bedeutet dieser Erfolg, dass wir das Erreichen des zweiten Tabellenplatzes weiterhin in unseren eigenen Händen haben. Das war das Wichtigste. Es ist nie selbstverständlich, in Kiel zu gewinnen. Das haben wir auch nach dem Ausgleich zwölf Minuten vor dem Schluss gesehen. Danach haben wir glücklicherweise gezeigt, dass wir aktuell einen guten Lauf sowie Rückenwind haben und in solchen Situationen cool bleiben. Am Ende hat es den Unterschied ausgemacht, dass wir einen riesigen Glauben in uns selbst haben. Individuell war es von Tim Freihöfer eine wahnsinnige Leistung. Auch Dejan Milosavljev war besonders zum Ende hin nochmal richtig gut, Marsenić hat es überragend gemacht in der ersten Halbzeit.“
THW Kiel: Pérez de Vargas (1 Parade), Wolff (10); Duvnjak (1), Reinkind (7), Landin Jacobsen (2), Øverby, Laube (2), Johansson (2), Ankermann (2), Dahmke (1), Zerbe, Abdelhak, Bilyk (3), Pekeler (1), Imre (6/4), Načinović (1).
Füchse Berlin: Ludwig, Milosavljev (15 Paraden); Darj (1), Prantner, Andersson (1), Ariño, Grøndahl, Lichtlein (6), Gidsel (8), Freihöfer (7/1), Cehte, Pichiri, Langhoff (1), Herburger, av Teigum (6), Marsenić (5).